Schweiz Nationale Verteidigung
Eidgenössische Finanzkontrolle kritisiert Immobilienverwaltung der Armee
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert Verzögerungen bei der Sanierung der Armeeinfrastruktur und eine unzureichende strategische Planung von Armasuisse Immobilien. Der Bericht bemängelt zudem Buchhaltungsfehler und ein Führungsvakuum an der Spitze des Verteidigungsdepartements.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat am Montag einen kritischen Bericht über Armasuisse Immobilien veröffentlicht, die Stelle, die für die Infrastruktur der Schweizer Armee verantwortlich ist. Laut der EFK häuft die Stelle Verzögerungen bei Sanierungsarbeiten an und verfügt nicht über eine strategische Planung, die den neuen Anforderungen an die Stärkung der Armee gerecht wird.
Der von Armasuisse verwaltete Immobilienbestand umfasst rund 21'600 Objekte, darunter 6'070 Gebäude, mit einem geschätzten Neuwert von 28,4 Milliarden Franken. Bis vor wenigen Jahren war das Ziel, den Grundbestand auf 20 Milliarden zu reduzieren. Die Verschlechterung der geopolitischen Lage veranlasste den Immobilienrat des Verteidigungsdepartements (VBS) jedoch 2022 zu einer Kurswende: Er strebt nun eine Obergrenze von 30 Milliarden Franken an.
Laut dem Bericht könnte die Erweiterung des Portfolios bis zu 6 Milliarden Franken erfordern, doch Armasuisse Immobilien ist derzeit nicht in der Lage, den tatsächlichen Bedarf der Truppe genau zu beziffern oder die nötige Investition präzise zu schätzen. Die Planungsdokumente der Gruppe Verteidigung, darunter der Bericht "Perspektiven 2040", werden nicht vor Ende des Jahres vorliegen. Die Verantwortliche von Armasuisse Immobilien, Petra Kobler, räumte ein, dass der Rückstand kurzfristig nicht aufgeholt werden könne und daher Prioritäten gesetzt werden müssten.
Verzögerungen, Fehler und Führungsvakuum
Der Sanierungsrückstand wächst in besorgniserregendem Tempo. Ende 2025 überstiegen die Sanierungskosten 34 Prozent des Werts des Immobilienbestands, was 7,3 Milliarden Franken entspricht, gegenüber einem Zielwert von höchstens 25 Prozent. Der aufgelaufene Sanierungsbedarf liegt zwischen 2 und 3 Milliarden Franken. Ohne eine Verdoppelung der Investitionen könnte diese Rückstandswelle laut internen Projektionen bis 2030 auf 40 Prozent ansteigen.
Die EFK stellte auch Probleme bei den Steuerungsinstrumenten fest, die auf Excel-Dateien mit Widersprüchen und methodischen Fehlern beruhen: Wegen einer falschen Formel verschwanden fast 250 Millionen Franken an Unterhaltskosten aus den jüngsten Bilanzen.
Auf strategischer Ebene bemängelt der Bericht das Fehlen von Entscheidungen an der Spitze. Der Immobilienrat des VBS hat die letzten beiden ordentlichen Sitzungen abgesagt und damit wichtige Entscheidungen blockiert. Dies verschärft die Spannungen zwischen der Gruppe Verteidigung und Armasuisse, insbesondere bei der Forderung des Militärs, bestimmte Umwelt- oder Rechtsauflagen zu lockern, um mehr Mittel für Rüstungsgüter freizusetzen.
Armasuisse und das VBS haben bereits Massnahmen eingeleitet, um die Projektsteuerung zu verbessern und Immobilien- und Rüstungsprojekte besser zu koordinieren. "Wir müssen die Abhängigkeiten klar kennen, zum Beispiel die Tatsache, dass ein neues Waffensystem eine eigene Unterstellhalle erfordert", erklärte Robert Scheidegger, stellvertretender Generalsekretär des VBS. Für Kobler muss der Immobilienbestand konsequent auf die Verteidigungsfähigkeit ausgerichtet werden, auch wenn das zulasten architektonischer und raumplanerischer Überlegungen geht.
Die EFK hat vier Empfehlungen formuliert, darunter rasche Grundsatzentscheide zur Governance, eine umgehende Bereinigung der Buchhaltungsdaten und die Pflicht zu modularen Baustandards. VBS, Armasuisse und das Armeekommando haben die Schlussfolgerungen des Berichts akzeptiert und erklärt, einen Teil der Koordinationsprobleme bereits gelöst und die Aktualisierung der Verfahren eingeleitet zu haben.
Kommentare
Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.

