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Schweiz CO2-Kompensationen

CO2-Kompensationen im Ausland: Die Schweizer Strategie kommt nicht vom Fleck

Die Schweiz setzt auf im Ausland gekaufte CO2-Kompensationen, um ein Drittel ihres Klimaziels zu erreichen, hat aber zehn Jahre nach den ersten Abkommen erst 0,36 Prozent dieses Teilziels erreicht. Expertinnen und Politiker kritisieren die mangelnde Qualität der Zertifikate und die Gefahr, dass dadurch Emissionssenkungen im Inland aufgeschoben werden.

von Brenno 1. November 2026 3 Min. Lesezeit

Die Schweiz gehörte zu den ersten Ländern, die Artikel 6.2 des Pariser Klimaabkommens angewendet haben. Dieser erlaubt es, Projekte zur Emissionsreduktion im Ausland zu finanzieren und sie als Gutschriften auf die eigenen nationalen Klimaziele anzurechnen. In den letzten zehn Jahren hat Bern 16 solche bilateralen Abkommen unterzeichnet und will bis zu einem Drittel seines Klimaziels für 2030 mit im Ausland erzielten Gutschriften, den sogenannten ITMO, abdecken.

Das Bundesamt für Umwelt hat bisher sechs Projekte bewilligt, weitere 28 werden noch geprüft. Die Bilanz bleibt jedoch bescheiden: Die Schweiz hat von ihrem Kompensationsziel im Ausland, das insgesamt 34 Millionen Tonnen CO2 umfasst, erst 0,36 Prozent erreicht.

Das Hauptproblem betrifft die Qualität der Gutschriften. Federica Dossi von der Organisation Carbon Market Watch meint, die Schweiz versuche, strenge Kriterien anzuwenden und fossile Brennstoffe auszuschliessen, doch die erhaltenen Gutschriften entsprächen nicht den Erwartungen. Sie nennt als Beispiel die in Bangkok finanzierten Elektrobusse, deren Emissionsreduktion qualitativ nicht ausreiche, während die Schweiz bei ihren Zielen in Rückstand gerate, ohne einen alternativen Plan zu haben.

Die Zweifel erinnern an die Schwächen des früheren Mechanismus aus dem Kyoto-Protokoll: Eine 2024 in Nature veröffentlichte Studie, die 2'346 Projekte analysierte, schätzte, dass weniger als 16 Prozent der ausgestellten Gutschriften tatsächlichen Emissionsreduktionen entsprachen – bei Projekten für effizientere Kochherde sank der Anteil auf 11 Prozent. Genau solche Projekte unterstützt auch die Schweiz, etwa in Ghana, wo laut Nichtregierungsorganisationen mehr Gutschriften vergeben wurden, als tatsächlich Reduktionen erzielt wurden. Beim Projekt in Bangkok bezweifeln die Organisationen Alliance Sud und Fastenaktion dagegen die Zusätzlichkeit: Die Busse wären ihrer Einschätzung nach ohnehin bis 2030 elektrifiziert worden. Die Stiftung KliK, die die Zertifikate gekauft hat, weist den Vorwurf als blosse Spekulation zurück.

Parteiübergreifende Kritik und die Frage der Gerechtigkeit

Die Bedenken reichen bis in die Bundespolitik. Die grüne Nationalrätin Marionna Schlatter sprach von einem “fallimento totale” (totaler Fehlschlag) der Kompensationsstrategie und warf dem Bund vor, sich “sottrarsi alle proprie responsabilità” (seiner eigenen Verantwortung zu entziehen). Die SP-Politikerin Nadine Masshardt wies darauf hin, dass im Ausland gekaufte Gutschriften oft geringere Emissionsreduktionen bringen, als angegeben. Auch der freisinnige Christian Wasserfallen, der marktwirtschaftliche Lösungen befürwortet, räumte Schwächen des aktuellen Ansatzes ein.

Erschwerend kommt die Knappheit an hochwertigen Gutschriften hinzu: Die Schweiz konkurriert mit Singapur, Japan und der Europäischen Union um dieselben Projekte in Ghana, Peru und Thailand. Dies nährt die Befürchtung, dass sich reichere Länder die einfachsten und günstigsten Reduktionen sichern und den übrigen Staaten die teureren Massnahmen überlassen.

Im Inland sind die Schweizer Emissionen gegenüber 1990 um 22,3 Prozent gesunken, weit entfernt vom Ziel einer Reduktion um 50 Prozent bis 2030. Für die Expertin Juliette de Grandpré vom NewClimate Institute zeigt der Schweizer Fall eine doppelte Schwäche: eine Kompensationsstrategie, die nicht funktioniert, und unzureichende innenpolitische Massnahmen zur Senkung der eigenen Emissionen.

Im Kern bleibt die Frage offen: die Standards für Kompensationsprojekte anheben – eine Option, der sich viele Länder widersetzen würden –, oder von den Staaten verlangen, Emissionen vor allem im eigenen Land zu senken. Das Bundesamt für Umwelt erklärte, der Bundesrat werde die Fortschritte bei den Zielen für 2030 im Lauf des Jahres 2027 bewerten, und man arbeite daran, einen Kohlenstoffmarkt mit hochwertigeren Kompensationsprojekten zu entwickeln.

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