Zum Inhalt

Unabhängige digitale Zeitung der italienischen Schweiz

Schweiz Sozialhilfe

In der Schweiz bezieht fast 3 Prozent der Bevölkerung Sozialhilfe

2025 haben 267'300 Personen Sozialhilfe bezogen, das sind 2,9 Prozent der Bevölkerung. Der Anstieg von 4,5 Prozent ist vor allem auf eine neue Berechnungsmethode zurückzuführen, während immer mehr Einelternfamilien auf Unterstützung angewiesen sind.

von Brenno 28. Oktober 2026 2 Min. Lesezeit

Im Jahr 2025 haben rund 267'300 Personen in der Schweiz Sozialhilfe bezogen. Das entspricht 2,9 Prozent der gesamten Bevölkerung, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Die Zahl der Beziehenden liegt 4,5 Prozent höher als im Vorjahr, doch das BFS mahnt zur Vorsicht: Der Anstieg ist grossteils auf eine neue Berechnungsmethode zurückzuführen, die Vergleiche mit früheren Jahren erschwert. Die Quote bleibt demnach mit jener von 2024 vergleichbar.

Die Daten zeigen, welche Gruppen besonders betroffen sind. Kinder und Jugendliche weisen mit 4,8 Prozent die höchste Quote auf. Bei der ausländischen Bevölkerung liegt der Anteil bei 5,4 Prozent, bei Schweizerinnen und Schweizern bei 1,9 Prozent. Auch der Zivilstand spielt eine Rolle: Geschiedene Personen beziehen in 4,2 Prozent der Fälle Sozialhilfe, verheiratete Personen in 1,4 Prozent.

Die Inanspruchnahme der Sozialhilfe ist regional sehr unterschiedlich. Mehrere Kantone der Romandie, darunter Genf, verzeichnen überdurchschnittliche Quoten, ebenso Basel-Stadt. Ländliche Regionen der Deutschschweiz weisen hingegen tiefere Werte auf. Die Unterschiede verweisen auf unterschiedliche wirtschaftliche Bedingungen und Arbeitsmarktlagen je nach Region, aber auch auf uneinheitliche kantonale Politiken bei der Betreuung bedürftiger Menschen.

Immer mehr Einelternfamilien

Eine separate, am Dienstag veröffentlichte Analyse der Städteinitiative Sozialpolitik zu 20 Städten zeigt, dass die Sozialhilfequote in den Schweizer Städten stabil bleibt, die Zahl der Einelternfamilien, die Unterstützung beziehen, aber zunimmt. 2025 lebten fast sechs von zehn minderjährigen Beziehenden in einer Einelternfamilie, gegenüber etwas mehr als fünf von zehn im Jahr 2010. Der Bericht hält fest, dass das Armutsrisiko für diese Familienform überall deutlich höher ist als für andere Haushaltstypen: Oft ist die Sozialhilfe die einzige Möglichkeit, ein Einkommen zu ergänzen, das für die Bedürfnisse der Kinder nicht ausreicht.

Die Städte setzen deshalb auf gezielte Massnahmen für Alleinerziehende: Ausbildung, Kinderbetreuung mit flexiblen Öffnungszeiten und Ergänzungsleistungen für Familien. Offen bleibt, wie stark solche Massnahmen die Abhängigkeit von der Sozialhilfe tatsächlich verringern und wie gleiche Schutzrechte für Kinder unabhängig vom Wohnkanton oder von der Familienform sichergestellt werden können.

Kommentare

Keine Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.

Kommentar schreiben