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Schweiz Digitale Souveränität

Bund schreibt Government Cloud für 7 Milliarden Franken aus

Der Bund hat die Ausschreibung für die Swiss Government Cloud veröffentlicht, ein Projekt für 7 Milliarden Franken über 14 Jahre zur Verwaltung der Daten von Bundesverwaltung, Kantonen und Gemeinden. Ziel ist eine grössere digitale Souveränität, mit fünf verschiedenen Anbietern auf drei Sicherheitsstufen.

von Gottardo 22. Oktober 2026 3 Min. Lesezeit

Der Bund hat am Dienstag die Ausschreibung für die Swiss Government Cloud veröffentlicht, das neue System, mit dem er künftig die digitalen Daten von Bundesverwaltung, Kantonen und Gemeinden verwalten und speichern will. Das vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) geleitete Projekt sieht Ausgaben von 7 Milliarden Franken über einen Zeitraum von 14 Jahren vor.

BIT-Direktor Dirk Lindemann begründete das Vorhaben mit den Grenzen der heutigen Informatikinfrastruktur des Bundes. Gegenüber der SRF erklärte er: «Non si può costruire l'amministrazione di domani con la tecnologia di ieri» («Man kann die Verwaltung von morgen nicht mit der Technologie von gestern aufbauen»). Neben der zunehmenden Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen soll das Projekt auch die Souveränität über die Daten stärken.

Drei Stufen und fünf Anbieter

Das System wird in drei Stufen gegliedert, die sich nach der Sensibilität der Daten richten. Die Stufe «Global Reach» betrifft wenig sensible Daten wie Wetterdaten und erlaubt deren Speicherung auch im Ausland. Die Stufe «Enhanced Data Governance» umfasst Informationen mit höheren Sicherheitsanforderungen: Verarbeitung und Speicherung müssen in der Schweiz erfolgen, wobei der Bund Open-Source-Technologien bevorzugt. Die Stufe «On-Premise» ist für die sensibelsten Daten reserviert, etwa aus den Bereichen Steuern und Finanzen, die ausschliesslich in den Rechenzentren des Bundes verbleiben und den strengsten Sicherheitsanforderungen unterliegen.

Um nicht von einem einzigen Anbieter abhängig zu sein, will der Bund die Aufträge an fünf verschiedene Unternehmen vergeben: zwei für die erste Stufe, zwei für die zweite, eines für die dritte. Bewerbungen sind bis zum 18. Dezember möglich, die Vergabe soll im Sommer 2027 erfolgen, sofern das Verfahren nicht durch Beschwerden verzögert wird.

Laut Matthias Stürmer, der an der Universität Bern zur digitalen Nachhaltigkeit forscht, markiert die Ausschreibung einen Kurswechsel gegenüber der Vergangenheit, als sich die Schweiz vor allem auf grosse amerikanische Plattformen verliess. Die wichtigste Neuerung sei laut dem Forscher, dass die Ausschreibung Schweizer Unternehmen nicht mehr von vornherein ausschliesst, wie dies bei früheren Verfahren der Fall war, die eine operative Präsenz auf mehreren Kontinenten voraussetzten. Ob Schweizer Firmen mit Konzernen wie Google, Microsoft oder Amazon konkurrieren können, bleibt offen.

Rahel Estermann, Co-Geschäftsleiterin der Digitalen Gesellschaft, begrüsst die Aufmerksamkeit für die digitale Souveränität, warnt aber vor einem konkreten Risiko: Die wirtschaftlichen Anforderungen der Ausschreibung könnten für viele Schweizer Unternehmen zu hoch sein, sodass der Markt erneut den grossen amerikanischen Anbietern zufallen könnte. Das Thema hängt mit dem amerikanischen Cloud Act zusammen, der es den US-Behörden erlaubt, auf Daten von US-Unternehmen zuzugreifen, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind.

Die neue Cloud ist nicht allein dem Bund vorbehalten: Kantone und Gemeinden können sich freiwillig anschliessen und Infrastruktur sowie Sicherheitsstandards gemeinsam nutzen. Offen bleibt, wie stark sich die über 14 Jahre verteilte Investition im Vergleich zu bereits auf dem Markt verfügbaren kommerziellen Lösungen in Skaleneffekten niederschlagen wird.

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