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Schweiz Klima und Gletscher

Ein Sommer extremer Schmelze auf dem Walliser Gletscher von Arolla

Eine Forscherin der Universität Lausanne schildert die extreme Gletscherschmelze, die sie diesen Sommer auf einem Gletscher im Wallis beobachtet hat. Ein Klimaforscher erklärt die Folgen für die Schweizer Wasserkraft.

von Brenno 4. September 2026 3 Min. Lesezeit

Margot Hofmann hat den Sommer auf einem Gletscher auf 2700 Metern Höhe oberhalb von Arolla im Wallis verbracht. Sie ist Doktorandin und Forscherin an der Universität Lausanne und berichtet, dass sie die Schmelze Woche für Woche mit blossem Auge verfolgen konnte.

Eine Kiste mit Forschungsausrüstung, die auf dem Eis zurückgelassen wird, liegt schon nach wenigen Tagen 20 bis 30 Zentimeter höher als ihre Umgebung, weil sie die darunterliegende Fläche vor der Sonne schützt. Ringsherum schmilzt das Eis deutlich schneller. Im Juli musste das Team beim Einsetzen von Sensoren mehrmals an derselben Stelle graben: Alle vier bis fünf Tage war die zuvor erreichte Eisschicht bereits geschmolzen.

Die Landschaft, die sie beschreibt, besteht aus Fels, Geröll, dunklem Eis, Gletscherspalten und viel Schmelzwasser, das an der Oberfläche bleibt, bis es auf einen Spalt trifft. Unter dem Gletscher verläuft ein Netz aus Flüssen und Kanälen, die vom Gletscher erodierte Sedimente transportieren: Je stärker der Gletscher schmilzt, desto mehr wird sein Bett erodiert, und desto mehr Sedimente werden talwärts befördert. Genau dieser Zusammenhang zwischen Schmelze und Sedimenttransport steht im Zentrum von Hofmanns Forschung.

Neben den Daten spricht die Forscherin auch über die Mühe, weiterhin eine Umgebung zu erforschen, die verschwindet. «Mi deprime, a dire il vero» («Das macht mich, ehrlich gesagt, traurig»), sagt Hofmann: Gletscher hätten ihr schon gefallen, bevor sie sich der Forschung widmete. In der Schweiz einen genügend grossen und zugänglichen Gletscher zu finden, werde immer schwieriger: Viele seien instabil oder zu weit entfernt geworden, sodass sie inzwischen auch von manchen Alpinisten gemieden würden.

Stauseen könnten schwerer zu füllen sein

Stuart Lane, Dozent an der Fakultät für Geowissenschaften und Umwelt der Universität Lausanne, ordnet das Phänomen in einen grösseren Zusammenhang ein. Zwei Effekte addieren sich: Das Eis schmilzt länger und intensiver, während der Schnee, der früher am Ende des Sommers auf den Gletschern liegen blieb und sich im Winter in neues Eis verwandelte, inzwischen oft schon Ende September fehlt.

Die Folgen betreffen auch die Wasserkraft. Heute tragen die Gletscher noch dazu bei, die Stauseen zu füllen, wenn die Winter schneearm ausfallen, und wirken damit wie eine Art Versicherung gegen Wasserknappheit. Mit ihrem Rückgang fällt dieser Ausgleich weg, und die Wasserverfügbarkeit von einem Jahr zum anderen wird fast nur noch von den winterlichen Niederschlägen abhängen. Ein trockener Winter könnte sich in einer Zukunft ohne Gletscher direkt in nicht gefüllten Stauseen niederschlagen.

Einige Projekte auf Bundesebene und in der Wasserkraftbranche versuchen bereits, diese Schwankungen abzumildern: Am Gornergletscher ist ein neuer Staudamm geplant, der genau diese jährlichen Schwankungen der verfügbaren Wassermenge verringern soll. Gletscher künstlich abzudecken, um die Schmelze zu verlangsamen, sei laut Lane hingegen keine im grossen Massstab umsetzbare Lösung – und würde zudem verhindern, dass sich winterlicher Schnee in neues Eis verwandelt.

Offen bleibt, wer die Kosten dieser Anpassung tragen wird und wie die Sicherheit der Energie- und Wasserversorgung in jenen Regionen gewährleistet werden kann, die künftig noch stärker vom Klima jedes einzelnen Winters abhängen.

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