Welt Militärübungen
Taiwan erprobt zehn Tage lang die Abwehr einer Invasion
Die Han-Kuang-Manöver laufen vom 5. bis 14. August und simulieren einen in Routineübungen versteckten Angriff. Am 10. und 13. August wird die Geschwindigkeit der Mobilfunknetze eine halbe Stunde lang gedrosselt.
Taiwan hat die Militärübungen Han Kuang aufgenommen, die vom 5. bis 14. August stattfinden. Die Manöver werden seit 1984 jährlich durchgeführt und dienen dazu, die Verteidigungsfähigkeit der Insel gegenüber einer möglichen chinesischen Invasion zu überprüfen.
Das Verteidigungsministerium hat ein genaues Szenario entworfen. Peking würde die Vorbereitungen des Angriffs in routinemässigen Militärübungen verbergen, wodurch sich Training und echte Operation kaum unterscheiden liessen.
Es folgen zehn Tage mit Simulationen in mehreren Phasen. Sie beginnen mit der Mobilmachung der Streitkräfte und dem Schutz der Energieinfrastrukturen, führen über die amphibische Verteidigung und jene im Landesinnern und enden bei der Fähigkeit, einen längeren Konflikt durchzuhalten.
Die Neuerungen dieses Jahres
Zu den neuen Elementen gehört das Debüt der amerikanischen Kampfpanzer M1A2T Abrams. In Betrieb genommen wird auch das Kommando Coastal Combat, das Anti-Schiffs-Raketen, Radar, Küstenüberwachung und unbemannte Systeme zusammenführt.
Die Manöver sehen zudem die vollständige Mobilmachung zweier Reservebrigaden vor, insgesamt rund fünftausend Personen. Ziel ist es, die Aufgebotsverfahren im grossen Massstab zu prüfen.
Eine weitere Simulation betrifft den Produktionsapparat. Erprobt werden die Verlagerung militärischer Produktionslinien und die Umstellung ziviler Fabriken auf die Fertigung für die Verteidigung.
Der Zivilschutz ist unmittelbar einbezogen. Fliegeralarmsirenen werden die Menschen in unterirdische Schutzräume leiten. Am 10. und 13. August wird die Geschwindigkeit der Mobilfunknetze rund dreissig Minuten lang bewusst gedrosselt, um einen Cyberangriff oder einen Unterbruch der Kommunikation zu simulieren.
Die Gesamtheit der Übungen zeigt einen Wandel der Ausrichtung. Neben den konventionellen Waffen rückt Taiwan Stromnetze, Rechenzentren, Logistik, Lieferketten und die Kontinuität der Dienstleistungen ins Zentrum.
Fachleute weisen jedoch auf Lücken bei Beschaffung und Einsatz der Waffen hin. Die Insel wartet auf verspätete amerikanische Lieferungen und auf ein Rüstungspaket, das blockiert bleibt.
Im Innern ist die Lage ebenso unsicher. Die Oppositionsparteien widersetzen sich den Aufrüstungsmassnahmen, und Kürzungen beim Verteidigungsbudget sowie beim Entwicklungsprogramm für Militärdrohnen sind bereits beschlossen worden.
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