Schweiz Landwirtschaft
Die Dürre stellt der Landwirtschaft die Rechnung: mindestens 19 Millionen
Schweizer Hagel hat bereits rund 1'100 Meldungen von den 2'350 gegen Trockenheit versicherten Betrieben erhalten. Am stärksten betroffen sind die Sommerkulturen, und die Schätzung dürfte weiter steigen.
Die Monate ohne Regen beginnen sich in Zahlen niederzuschlagen. Schweizer Hagel, der Versicherer der Landwirtschaft gegen Wetterrisiken, beziffert die Schäden der diesjährigen Trockenheit auf mindestens 19 Millionen Franken. Es ist eine vorläufige Schätzung mit Stand vom 6. August, und der Versicherer warnt, dass sie steigen wird, falls die trockenen Verhältnisse anhalten.
Rund 2'350 Landwirtschaftsbetriebe verfügen über eine Police gegen Trockenheit. Etwa 1'100 davon haben bereits einen Schaden gemeldet, also fast jeder zweite. Eine endgültige Abrechnung ist derzeit nicht möglich, weil verschiedene Kulturen noch auf den Feldern stehen und erst die Ernte zeigen wird, wie viel tatsächlich verloren ging.
Am meisten leiden die Sommerkulturen. Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sonnenblumen gehören zu den überdurchschnittlich betroffenen Pflanzen: Sie brauchen Wasser genau in jenen Monaten, in denen es dieses Jahr fehlte. Für einzelne Betriebe sind die Verluste erheblich.
Eine noch junge Versicherung
Die Deckung gegen Trockenheit ist ein junges Instrument, und der Bund fördert ihre Verbreitung. Seit 2023 werden die Prämien der Frost- und Trockenheitsversicherungen zu 30 Prozent subventioniert. Im ersten Programmjahr beteiligten sich rund 2'500 Landwirtschaftsbetriebe; für dieses Jahr erwartet Schweizer Hagel eine Zunahme von etwa zehn Prozent.
Der Mechanismus sagt etwas darüber aus, wie sich das Risiko in der Landwirtschaft verändert. Bis vor Kurzem war der Hagel jene Gefahr, gegen die man sich fast instinktiv versicherte, weil er in wenigen Minuten eintrifft und sofort sichtbar ist. Die Trockenheit wirkt umgekehrt: Sie baut sich über Wochen auf, hinterlässt keinen genauen Moment, den man festhalten könnte, und lässt sich deshalb schwerer in eine Police fassen und entschädigen.
Offen bleibt die Frage, wer den Rest bezahlt. Die Versicherung deckt nur jene Betriebe, die sie abgeschlossen haben, und die angekündigten 19 Millionen beziehen sich auf diesen Perimeter, nicht auf die Gesamtverluste der Branche. Wer nicht versichert ist, bewältigt den Sommer mit eigenen Mitteln, zwischen teurerer Bewässerung, zugekauftem Futter und bereits angebrochenen Wintervorräten.
Die Prognosen kündigen unterdessen keinen Wetterumschwung an. Der Versicherer spricht ausdrücklich von ungünstigen Aussichten und damit von der Möglichkeit, dass die heutige Zahl nur eine Zwischenetappe ist.
Kommentare
Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.