Welt Justizielle Zusammenarbeit
Kinderprostitution: Ermittlungen in Frankreich gegen Schweizer Unternehmer
Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine in der Schweiz gehostete Plattform für Prostitutionsinserate, nachdem Anzeigen aufgetaucht sind, die offenbar auch Minderjährige betreffen. Im Zentrum des Falls steht ein Schweizer Bürger, der bereits 2011 wegen Zuhälterei verurteilt wurde.
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Meslibertines eröffnet, die grösste französische Plattform für Escort- und Prostitutionsinserate, früher bekannt als Sexemodel. Die Seite verzeichnet im Schnitt 430'000 Besuche pro Tag und veröffentlicht über 45'000 aktive Inserate.
Unter den Inseraten sollen sich auch Hunderte Seiten befinden, die Dienstleistungen von Minderjährigen anbieten. Die französische Kinderschutzbeauftragte hat den Fall bei der Staatsanwaltschaft gemeldet und die Schliessung der Seite gefordert, was die Justiz zur Eröffnung eines Verfahrens veranlasste. Das berichtet der Sender France Inter.
Die Plattform bezeichnet sich selbst als einfachen Dienst zur Veröffentlichung von Inseraten und erklärt, keine Verantwortung für Kontakte oder Treffen zu übernehmen, die daraus entstehen. Sie gibt zudem an, bei illegalen Aktivitäten eine Nulltoleranzpolitik zu verfolgen.
Die Seite soll in der Schweiz gehostet sein. Das erschwert die Arbeit der französischen Ermittler, die ein Rechtshilfeersuchen an die Schweizer Behörden gerichtet haben.
Der Besitzer, bereits 2011 verurteilt
An der Spitze der Plattform steht ein 47-jähriger Schweizer Bürger. Er war bereits 2011 in Frankreich zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung wegen schwerer Zuhälterei verurteilt worden. Die Schweiz hatte dem damals gegen ihn ausgestellten internationalen Haftbefehl nicht Folge geleistet. Der Mann kontrolliert auch weitere ähnliche Plattformen.
Der Leiter des französischen Zentralamts für die Bekämpfung des Menschenhandels bezeichnete die Haltung der Seite als heuchlerisch. Gegenüber einem französischen öffentlichen Radiosender sagte er: „Sanno benissimo che tra le migliaia di annunci, ce ne sono alcuni per i quali si rendono colpevoli di un reato. Ma l'autorità giudiziaria francese non può agire da sola, ci vuole una cooperazione con le autorità svizzere“ (Sie wissen genau, dass es unter den Tausenden Inseraten einige gibt, mit denen sie sich strafbar machen. Aber die französische Justiz kann nicht allein handeln, es braucht eine Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden).
Der Mann hinter der Plattform lebt Berichten zufolge heute in Dubai und soll dank der Seite über 20 Millionen Euro pro Jahr einnehmen. Sie ist über die Jahre zu einer festen Anlaufstelle für viele in Frankreich tätige Sexarbeiterinnen geworden. Bereits 2025 hatte ihm die Online-Zeitung Mediapart eine ausführliche Recherche gewidmet und ihn als Kopf eines internationalen Online-Prostitutionsimperiums beschrieben, das über zwanzig Jahre aufgebaut wurde. Seine Aktivitäten sollen über Strohmänner und Briefkastenfirmen laufen, die vor allem in der Schweiz und auf Zypern registriert sind.
Kinderschutzorganisationen weisen darauf hin, dass das Phänomen der Kinderprostitution in Frankreich zunimmt: Mindestens 20'000 Minderjährige sollen betroffen sein, eine Zahl, die sich im letzten Jahrzehnt verzwanzigfacht hat. Laut diesen Organisationen zielen die Ausbeutungsnetzwerke vor allem auf Jugendliche in schwierigen Lebenslagen, die teilweise direkt in Aufnahmeeinrichtungen rekrutiert und anschliessend häufig versetzt werden, um ihre Spur zu verwischen.
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