Welt Invasive Arten
Eine halbe Million Kraken in der Adria gegen die Blaukrabbe
Das Projekt Octo-Blu sieht vor, in der zweiten Augusthälfte im Labor gezüchtete Jungkraken vor Riccione und Cesenatico auszusetzen. Ziel ist nicht die Ausrottung der Art, sondern die Rückkehr zu einem Gleichgewicht.
Rund eine halbe Million im Labor gezüchteter Jungkraken wird in der zweiten Augusthälfte in den Gewässern vor Riccione und Cesenatico ausgesetzt. Die Aktion gehört zum Projekt Octo-Blu, getragen von der Region Emilia-Romagna und dem Departement für veterinärmedizinische Wissenschaften der Universität Bologna.
Das Ziel ist die Blaukrabbe, eine fremde Art, die das Mittelmeer rasch besiedelt. Der Gemeine Krake ist einer ihrer wichtigsten natürlichen Fressfeinde, und Laborstudien haben gezeigt, dass auch kleine Tiere weit grössere Krabben überwältigen können.
Ziegelhöhlen auf dem Meeresgrund
Der Grund der Adria ist überwiegend sandig, was die Ansiedlung der Kraken erschwert. Zur Abhilfe werden die örtlichen Muschelzüchter künstliche Höhlen aus Ziegeln auslegen, die in den Universitätslabors hergestellt wurden.
Erklärtes Ziel ist nicht die Ausrottung der Art, ein Vorhaben, das die Trägerschaft als unerreichbar einstuft. Angestrebt wird vielmehr, den natürlichen Frassdruck zu nutzen, um ein gestörtes ökologisches Gleichgewicht wiederherzustellen.
Die Blaukrabbe stammt von den atlantischen Küsten des amerikanischen Kontinents. Sie erreicht zwanzig Zentimeter Breite und ist an der bläulichen Färbung der Beine sowie an den orangen Spitzen der Scheren bei den Weibchen zu erkennen. Die ersten Meldungen im Mittelmeer gehen auf die Fünfzigerjahre zurück.
Die Ausbreitung hängt vom weltweiten Seeverkehr ab. Die Larven werden mit dem Ballastwasser angesaugt, das grosse Handelsschiffe stabilisiert, und in den Zielhäfen wird das Wasser samt den enthaltenen Organismen abgelassen.
Die Schäden betreffen vor allem die Aquakultur. Die Krabbe ist ein Allesfresser mit kräftigen Scheren: Sie frisst Venusmuscheln, Miesmuscheln und Austern, aber auch Garnelen, kleine Fische und Jungfische. Ihre Vermehrung hat die Produktivität der Zuchtanlagen verringert, besonders in den Lagunen des Po-Deltas.
Fachleute erinnern daran, dass die biologische Bekämpfung Teil eines breiteren Ansatzes sein muss. In der Türkei hat der Aufbau einer kommerziellen Fischerei mit selektiven Reusen die Blaukrabbe von einem Umweltproblem zu einer Nahrungsressource gemacht.
Das Thema invasiver Arten ist auch südlich der Alpen bekannt. 2026 hat der Kanton Tessin Überwachungspläne und umfangreiche Fänge gegen den Japankäfer aufgezogen, um Reben und Kulturen zu schützen.
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