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Schweiz Pädiatrische Versorgung

Kinderärzte gesucht: Im Tessin klappt es besser als in Graubünden

Eine Studie der Universität Bern zeigt einen verbreiteten Mangel an Kinderärztinnen und Kinderärzten in der Schweiz, mit grossen Unterschieden zwischen den Kantonen. Das Tessin liegt über dem Landesdurchschnitt, Graubünden gehört zu den Schlusslichtern.

von Brenno 2. September 2026 3 Min. Lesezeit

Die Schweiz hat zu wenige Kinderärztinnen und Kinderärzte. Eine Studie der Universität Bern, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Swiss Medical Weekly, beziffert den landesweiten Durchschnitt auf eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt (Vollzeitäquivalent) pro 1'600 Kinder unter 18 Jahren.

Die Zahl liegt zwischen zwei internationalen Referenzwerten: unter den amerikanischen Richtlinien, die ein Verhältnis von 1'200 bis 1'400 Kindern pro Kinderarzt empfehlen, aber über Deutschland, wo das Verhältnis bei 1 zu 2'127 liegt. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen zählt die Schweiz einen Hausarzt pro 1'000 Einwohner.

Hinter dem Landesdurchschnitt verbergen sich grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Genf hat einen Kinderarzt pro 750 Kinder. In Appenzell Ausserrhoden sinkt das Verhältnis auf 1 zu 4'761 – sechsmal schlechter.

Tessin vorn, Graubünden hinten

Das Tessin belegt in der kantonalen Rangliste den vierten Platz, mit einem Kinderarzt pro 1'136 Kinder – besser als der Schweizer Durchschnitt. Graubünden liegt am entgegengesetzten Ende: ein Kinderarzt pro 2'631 Kinder, mehr als doppelt so viele wie im Tessin. Der Unterschied zeigt sich auch in der Wahrnehmung der Fachleute selbst: Nur 15 Prozent der Tessiner Kinderärztinnen und Kinderärzte sprechen von einem Mangel an Kolleginnen und Kollegen, gegenüber 93 Prozent in Graubünden. Die tägliche Arbeitsbelastung ist hingegen ähnlich: In beiden Kantonen behandeln Kinderärzte rund 28 Patientinnen und Patienten pro Tag.

Auch wo es Kinderärzte gibt, ist ein freier Platz nicht selbstverständlich. Schweizweit nehmen nur 31 Prozent der Praxen alle neuen Patientinnen und Patienten auf; 57 Prozent nehmen nur einige auf, in der Regel Neugeborene oder Geschwister bereits betreuter Kinder; 12 Prozent nehmen niemanden mehr auf.

Die Studienautoren nennen drei Hauptursachen: die verbreitete Teilzeitarbeit, ungünstige finanzielle Anreize und zunehmend schwierigere Arbeitsbedingungen. 87 Prozent der Grundversorgerinnen und Grundversorger arbeiten Teilzeit und betreuen im Schnitt 22 Kinder pro Tag. Als Gründe für die sinkende Attraktivität der Grundversorgung nennen die Befragten die wachsende administrative Last, steigende Erwartungen der Eltern und das finanzielle Risiko einer eigenen Praxis. Nicht zufällig ist die Dichte an Kinderärzten in Kantonen mit besserer Entschädigung höher.

Der Mangel wirkt sich auch auf Spitäler und Familien aus. Wenn es schwierig ist, rasch einen Termin zu bekommen, wenden sich viele Eltern selbst bei leichteren Beschwerden an die Notaufnahme – mit zusätzlichen Kosten und Belastungen.

Für Claudia Kuehni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, die die Forschung geleitet hat, liefern die Ergebnisse nun eine Grundlage für gezielte gesundheitspolitische Massnahmen in Regionen mit besonders knapper pädiatrischer Versorgung.

An der Studie, die zwischen September 2024 und Februar 2025 durchgeführt wurde, beteiligten sich 60 Prozent der klinisch tätigen Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, insgesamt 1'155 Antworten.

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