Schweiz Medizinische Forschung
Patientinnen und Patienten vertrauen Ärzten mit Gefühlen mehr
Eine Studie der Universität Bern mit Bielefeld und Stanford umfasste 1572 Personen aus allen Sprachregionen der Schweiz. Traurigkeit zu zeigen mindert die wahrgenommene Professionalität nicht.
Eine Ärztin oder ein Arzt, die Gefühle ausdrücken oder eine persönliche Erfahrung teilen, stärken das Vertrauen der Patientinnen und Patienten, ohne an fachlicher Glaubwürdigkeit einzubüssen. Zu diesem Schluss kommt eine Schweizer Studie mit über tausendfünfhundert Teilnehmenden.
Die Untersuchung wurde von der Universität Bern geleitet, in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld in Deutschland und der Universität Stanford in Kalifornien. Die Finanzierung stammt vom Schweizerischen Nationalfonds.
Die Ergebnisse wurden im Journal of General Internal Medicine veröffentlicht.
Wie die Studie durchgeführt wurde
An der Studie nahmen 1572 Personen aus allen Sprachregionen der Schweiz teil. Insgesamt wurden 7250 Szenarien beurteilt.
Die Teilnehmenden sollten sich als Patientinnen und Patienten mit einem Lungentumor im fortgeschrittenen Stadium vorstellen, in dem Moment, in dem die Ärztin oder der Arzt eine begrenzte Lebenserwartung mitteilt. Die vorgelegten Situationen unterschieden sich darin, wie sich die Fachperson verhielt.
Wenn die Ärztin oder der Arzt erzählte, eine nahestehende Person mit derselben Krankheit erlebt zu haben, oder offen Traurigkeit ausdrückte, berichteten die Teilnehmenden von höherem Vertrauen und mehr Empathie. Auch die wahrgenommene Professionalität nahm deutlich zu.
Nach der Studie verschlechtern emotionale Äusserungen «das Urteil der Teilnehmenden nie». Das Ergebnis blieb bestehen, unabhängig von der bereits bestehenden Beziehung zur Fachperson, von deren Erfahrungsstand und von der Dauer der Konsultation.
Die Autorinnen und Autoren nennen auch die Grenzen der Arbeit. Die Szenarien waren hypothetisch und betrafen keine realen Konsultationen. Die Teilnehmenden waren überwiegend Schweizer Staatsangehörige, was die kulturelle Vielfalt der Stichprobe verringert.
Diese zweite Einschränkung wiegt bei der Auslegung der Ergebnisse. Die Art, wie Professionalität zum Ausdruck kommt, unterscheidet sich zwischen den Kulturen, weshalb die Schlussfolgerungen nicht ohne Weiteres auf andere Kontexte übertragbar sind.
Die Forschenden empfehlen, emotionale Kompetenzen in die Ausbildung der Ärzteschaft zu integrieren, neben den fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten, die in den Studiengängen bereits vorgesehen sind. Die Studie sagt nicht, ob die Ergebnisse auch für andere Gespräche als die Mitteilung einer schweren Prognose gelten.
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