Schweiz Schweizer Geschichte
Vor fünfzig Jahren die Verhaftung von Brigadier Jean-Louis Jeanmaire
Am 9. August 1976 wurde der Offizier verhaftet, dem vorgeworfen wurde, dem sowjetischen Nachrichtendienst militärische Informationen weitergegeben zu haben. Die Akten des Falls bleiben mindestens bis 2028 unter Verschluss.
Am 9. August 1976 verhafteten die Bundesbehörden Jean-Louis Jeanmaire, Brigadier ausser Dienst, zuvor Oberst und Stabschef. Fünfzig Jahre später bleibt der Fall teilweise unzugänglich.
Der Ausgangspunkt liegt im Jahr 1959. Bei Übungen im Tessin lernte Jeanmaire Wassili Denissenko kennen, sowjetischer Militärattaché, ausgezeichneter Veteran von Stalingrad und Vertreter des GRU. Laut Anklage begann die Weitergabe von Informationen 1962.
Die Schweizer Behörden wurden von aussen gewarnt. Im Herbst 1974 machte der amerikanische Nachrichtendienst Bern auf den Fall aufmerksam.
Das Militärgericht fällte das Urteil am 17. Juni 1977. Jeanmaire wurde zu achtzehn Jahren Zuchthaus, zur Degradierung und zum Ausschluss aus der Armee verurteilt. Die Anklage hatte zwölf Jahre beantragt.
Ein umstrittenes Motiv
In der Begründung nannten die Richter als Beweggründe Eitelkeit, Geltungsdrang und Charakterschwäche. Diese Passage nährt seit Jahrzehnten die Kritik am Verfahren.
Der Genfer Anwalt Jacques Barillon sprach von einem Justizirrtum. Mit dem Fall befassten sich der Historiker Urs Rauber und der Basler Schriftsteller Urs Widmer, der daraus ein Theaterstück machte. Die Geschichte wurde auch mit den Romanen von John Le Carré verglichen.
Jeanmaire verbüsste die Strafe in der Strafanstalt Bellechasse im Kanton Freiburg. Die Revisionsversuche von 1984 und 1986 wurden abgewiesen. 1988 kam er frei, nach zwölf der achtzehn verhängten Jahre.
Am 5. März 1991 veröffentlichte der Bundesrat die Anklageschrift und das Urteil. Der Entscheid fiel in die Zeit der Arbeiten der Parlamentarischen Untersuchungskommission zum Eidgenössischen Militärdepartement. Zuvor hatte sich Bundesrat Kurt Furgler, Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements, mit dem Fall befasst.
Jeanmaire starb am 29. Januar 1992 in Bern im Alter von 81 Jahren. Die im Bundesarchiv aufbewahrten Unterlagen bleiben mindestens bis 2028 unter Verschluss, womit die Diskussion über den tatsächlichen Umfang des Weitergegebenen offen bleibt.
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