Wirtschaft Hypothese
Staatsbeitrag oder Risikokapital: wer den Schweizer Film bezahlt
Eine Denkübung der Redaktion. Die 36 Schweizer Titel von Locarno79 entstehen aus einem System öffentlicher Beiträge und Stiftungen. Das Modell des Venture Capital arbeitet mit anderen Voraussetzungen.
Peter Thiel hat keinerlei Verbindung zum Schweizer Film und ist in Locarno nicht angekündigt. Dieser Beitrag verwendet sein Finanzierungsmodell als Vergleichsgrösse, um besser zu verstehen, wie jenes funktioniert, das die einheimische Produktion trägt.
An der 79. Ausgabe ist die Schweiz mit 28 Filmen und acht Koproduktionen vertreten, insgesamt 36 von 233 Titeln. Dieser Anteil entsteht nicht auf dem Markt. Er beruht auf Bundes- und Kantonsbeiträgen, auf dem öffentlichen Radio- und Fernsehdienst und auf privaten Stiftungen.
Die Ausstellung, die das Festival im Museum Casa Rusca begleitet, zeigt den Mechanismus gut: Getragen wird sie vom Swisslos-Fonds des Departements für Erziehung, Kultur und Sport, von der Ernst Göhner Stiftung und von der Fondazione cultura nel Locarnese. Drei verschiedene Träger, von denen keiner eine finanzielle Rendite erwartet.
Wie das andere Modell funktioniert
Thiel gründete Founders Fund 2005, und 2004 war er mit 500'000 Dollar der erste externe Investor von Facebook. Die Logik des Risikokapitals beruht auf einer asymmetrischen Verteilung der Ergebnisse: Die grosse Mehrheit der Investitionen bringt nichts zurück, und eine sehr kleine Zahl von Fällen erzielt eine Rendite, die alle Verluste deckt.
Auf den Film übertragen hätte dieses Modell eine unmittelbare Folge. Der Geldgeber suchte nicht sechsunddreissig Filme, sondern einen, der so viel einbringt wie sechsunddreissig.
Das Schweizer System ist auf das Gegenteil hin gebaut. Es verteilt begrenzte Beträge auf viele Projekte, nimmt in Kauf, dass ein grosser Teil kein breites Publikum erreicht, und betrachtet die Produktion selbst als Ergebnis, unabhängig von den Einnahmen.
Keine der beiden Anlagen ist kostenlos. Das Risikokapital bündelt die Mittel auf das, was rasch wachsen kann, und die Filme, die aus Palästina, Georgien oder Kolumbien nach Locarno kommen, fielen nicht unter dieses Kriterium. Die öffentliche Finanzierung wiederum entkoppelt das Geld vom Publikum, und ein System, in dem die Einnahmen nicht zählen, bringt zwangsläufig Werke hervor, die niemand ansieht.
Die Tragfähigkeit des Schweizer Modells hängt somit von einem politischen Entscheid ab, der jedes Jahr im Budget erneuert wird. Solange er hält, entsteht eine Branche, die für den Markt nicht interessant wäre und die ohne diese Stütze in einer Region mit 350'000 Einwohnerinnen und Einwohnern nicht bestünde.
Der Vergleich dient vor allem der Klärung eines Punktes. Die entscheidende Frage lautet nicht, welches System effizienter ist, sondern was die beiden als Erfolg betrachten, denn darin gehen sie auseinander, bevor überhaupt gerechnet wird.
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