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Kultur Hypothese

Drei restaurierte Klassiker auf der Piazza und die These der Stagnation

Eine Denkübung der Redaktion. Ein guter Teil des Programms von Locarno79 besteht aus alten Filmen. Ein Investor, der dem Westen vorwirft, nicht mehr zu erneuern, fände darin eine Bestätigung oder eine Widerlegung.

von Brenno 6. August 2026 2 Min. Lesezeit

Peter Thiel ist nicht in Locarno. Dieser Beitrag nimmt eine seiner öffentlichen Thesen und wendet sie auf das Programm der 79. Ausgabe an, um zu sehen, was dabei herauskommt.

Die These ist bekannt. Founders Fund, der Fonds, den Thiel 2005 gestartet hat, hat sie in einem Satz zusammengefasst, der zum Slogan wurde: Wir wollten fliegende Autos und bekamen hundertvierzig Zeichen. Das Argument lautet, ausserhalb der Informatik habe sich der technische Fortschritt seit den Siebzigerjahren verlangsamt und die heutige Kultur ordne bestehendes Material nur noch um.

Das Programm von Locarno79 scheint das zu bestätigen. Die Piazza Grande zeigt drei restaurierte Klassiker: «Wild at Heart» von David Lynch, «Der mit dem Wolf tanzt» von Kevin Costner und «Taxi Driver» von Martin Scorsese. Die Retrospektive fügt fünfzig Filme rund um die schwarze Liste Hollywoods hinzu. Zu den Tributen zählen «Frankenstein Unbound» von Roger Corman aus dem Jahr 1990, «American Werewolf» von John Landis aus dem Jahr 1981 und «Kaddu Beykat» von Safi Faye aus dem Jahr 1975. Eine Hommage gilt der Schweizer Pionierin Isa Hesse-Rabinovitch, gestorben 2003.

Warum die Bestätigung nicht trägt

Die Zählung sagt allerdings etwas anderes. Von den 233 Filmen im Programm sind 103 Weltpremieren, und es gingen 7759 Anmeldungen ein, 21% mehr als 2025.

Das Verhältnis zwischen Altem und Neuem deutet somit nicht auf ein Versiegen der Produktion hin. Es zeigt, dass das Festival einen Teil seines Raums bewusst der Verbreitung bereits bestehender Filme widmet.

Bei der Retrospektive kehrt sich das Argument vollständig um. Die fünfzig von Ehsan Khoshbakht versammelten Titel stammen von Menschen, die von der Arbeit ausgeschlossen wurden, und viele erhielten nie jene Verbreitung, die sie ohne die Verfolgungen gehabt hätten. Für das Publikum, das sie in diesem Jahr sieht, sind es keine alten Filme: Es sind nie angekommene Filme.

Die Restaurierung selbst ist eine Technologie. Einen Film aus den Vierzigerjahren auf eine projizierbare Qualität zu bringen, verlangt Mittel, die es vor zwanzig Jahren nicht gab, und die Arbeit erzeugt Kopien, die zuvor nicht existierten.

Daraus folgt, dass der Fall Locarno weder eine saubere Bestätigung noch eine saubere Widerlegung der Stagnationsthese liefert. Er zeigt vielmehr, dass das gewählte Mass für Innovation die Antwort vorwegnimmt: Zählt man neue Titel, ergibt sich das eine Resultat; zählt man erstmals verfügbar gemachte Werke, ein anderes.

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