Kanton Lokaler Konsum
Junge Mitte-Politiker schlagen Lohn-Gutschein für lokale Einkäufe vor
Angesichts der tiefsten Löhne der Schweiz und sinkender Kaufkraft schlagen die Giovani del Centro einen Lohn-Gutschein vor: Bis zu 5 Prozent des Lohns würden in Gutscheine für Einkäufe im Tessin umgewandelt, verbunden mit einer Steuervergünstigung für alle, die mitmachen.
Das Tessin zahlt die tiefsten Löhne der Schweiz, und die Kaufkraft nimmt weiter ab. Krankenkassenprämien und Mieten belasten die Haushaltsbudgets zunehmend. Viele Menschen entscheiden anhand des Preises, wo sie einkaufen, oft jenseits der Grenze in Italien oder online. Wenn die Nachfrage sinkt, leiden auch die lokalen Unternehmen darunter.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben die Giovani del Centro eine allgemeine parlamentarische Initiative eingereicht. Der Vorschlag sieht ein kantonales System vor, das es Erwerbstätigen erlaubt, freiwillig auf einen Teil des Lohns – bis zu 5 Prozent – zu verzichten und ihn stattdessen als Lohn-Gutschein zu erhalten. Der Gutschein könnte nur bei Unternehmen mit Steuersitz im Tessin eingelöst werden.
Eine Steuervergünstigung für alle, die mitmachen
Wer am System teilnimmt, würde einen Steuerbonus in Höhe von 25 Prozent des Werts des Lohn-Gutscheins erhalten. «Penso che sia molto positivo poter pagare leggermente meno imposte» (dt. etwa: «Ich finde es sehr positiv, wenn man etwas weniger Steuern zahlen kann»), erklärt die Präsidentin der Giovani del Centro, Giovanna Pedroni.
Die Vergünstigung bedeutet allerdings tiefere Einnahmen für den Staat. Die Initianten gehen davon aus, dass sich dies mit der Zeit ausgleicht: «Se si spendesse di più nelle piccole e medie imprese locali, sarebbe possibile avere da loro un gettito maggiore» (dt. etwa: «Würde mehr in den lokalen Klein- und Mittelunternehmen ausgegeben, liesse sich von diesen ein höheres Steueraufkommen erzielen»), sagt Pedroni. Diese Rechnung muss sich allerdings noch bestätigen, denn die höheren Einnahmen hängen davon ab, wie stark die Konsumentinnen und Konsumenten ihre Einkäufe tatsächlich zu Tessiner Unternehmen verschieben.
Mehrere Punkte sind noch offen. Es ist noch nicht festgelegt, welche Unternehmen am System teilnehmen können und ob deren Angebot ausreicht, um die durch den Lohn-Gutschein geschaffene Nachfrage zu decken. «La descrizione esatta del tipo di aziende e dell'ambiente in cui operano andrà dettagliata in futuro, quando la proposta sarà analizzata più a fondo» (dt. etwa: «Die genaue Beschreibung der Art von Unternehmen und ihres Umfelds wird künftig ausgearbeitet, wenn der Vorschlag eingehender geprüft wird»), präzisiert Vizepräsident Luca Taglialatela. Für teilnehmende Unternehmen könne das System zudem als Werbung dienen, ähnlich den Aufklebern, die heute vor Geschäften auf die akzeptierten Zahlungsmethoden hinweisen.
Da es sich um eine allgemeine Initiative handelt, muss nun das Parlament darüber befinden, ob die Idee taugt und den Gesetzen sowie dem Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit entspricht. Offen bleibt auch die Frage der öffentlichen Finanzen: Wie viel wird die Steuervergünstigung den Staat kosten, und wie lange dauert es, bis die höheren Einnahmen der lokalen Klein- und Mittelunternehmen dies ausgleichen können?
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