Zum Inhalt
il Cantonale

Unabhängige digitale Zeitung der italienischen Schweiz

Welt Einundachtzigster Jahrestag

Japan gedenkt der Kapitulation, Premierministerin Takaichi sagt nicht Reue

An der Feier in Tokio drückte Kaiser Naruhito tiefe Reue aus. Vier Regierungsmitglieder besuchten den Yasukuni-Schrein.

von Redazione 16. August 2026 2 Min. Lesezeit

Japan hat des einundachtzigsten Jahrestags der Kapitulation gedacht, die den Zweiten Weltkrieg beendete. An der Regierungsfeier in Tokio bekräftigte Ministerpräsidentin Sanae Takaichi das Bekenntnis des Landes zum Frieden, ohne das Wort Reue auszusprechen.

Die Auslassung hat in der japanischen politischen Sprache ein genaues Gewicht. Es ist die Formel, mit der die Regierungen in Tokio jahrzehntelang die Verantwortung des Landes für den Krieg in Asien anerkannt haben, und ihr Fehlen wird als Zeichen eines Bruchs gelesen. Kaiser Naruhito, der mit Kaiserin Masako an der Feier teilnahm, sprach dagegen von tiefer Reue, wie in den Jahren zuvor.

Takaichi besuchte den Yasukuni-Schrein nicht, sondern liess lediglich eine Opfergabe überbringen. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi und drei weitere Regierungsmitglieder suchten den Schrein dagegen persönlich auf. Der letzte Besuch eines Verteidigungsministers am Jahrestag lag im Jahr 2024.

Warum Yasukuni schwer wiegt

Der Schrein bewahrt die Seelen der japanischen Gefallenen, darunter vierzehn Kriegsverbrecher der Klasse A, die vom internationalen Nachkriegstribunal verurteilt wurden. Jeder Besuch eines Regierungsmitglieds löst offizielle Reaktionen aus Peking und Seoul aus, die darin eine Anerkennung des in Asien geführten Angriffskriegs sehen.

Takaichis Vorgänger Shigeru Ishiba hatte in beiden Punkten ein zurückhaltenderes Profil gewahrt. Die neue Regierungschefin kommt dagegen aus Monaten der Spannung mit China, nach ihren im November im Parlament gemachten Äusserungen über eine mögliche japanische Beteiligung an einer Krise um Taiwan.

Japan bleibt der wichtigste ausländische Investor in weiten Teilen Südostasiens und einer der grössten Handelspartner Chinas. Wie die Regierung in Tokio mit der Erinnerung an den Krieg umgeht, hat deshalb weiterhin Folgen, die über das Symbolische hinausgehen und die seit Jahren offenen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Dossiers betreffen.

Kommentare

Keine Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.

Kommentar schreiben