Schweiz Gletscher
Dutzende kleine Schweizer Gletscher könnten diesen Sommer verschwinden
Der Glaziologe Matthias Huss schätzt, dass zwanzig bis dreissig ganz verschwinden könnten. 2026 steuert auf die zweitstärkste je gemessene Schmelze zu.
Dutzende kleine Schweizer Gletscher könnten diesen Sommer vollständig verschwinden. Die Warnung stammt vom Glaziologen Matthias Huss, für den 2026 eines der dramatischsten Jahre seit Messbeginn werden könnte.
«Wir steuern auf die zweitstärkste je gemessene Gletscherschmelze zu», sagte Huss gegenüber Keystone-SDA. Am verletzlichsten seien die kleinen Gletscher, und er rechnet damit, dass viele ganz verschwinden. Genaue Zahlen sind vorerst schwierig: Die Schätzung lautet, dass zwanzig bis dreissig den Rest ihres Eises für immer verlieren könnten.
Ein Fall hat bereits für Aufsehen gesorgt. Die Zeitung Le Nouvelliste berichtete über das Verschwinden des kleinen Gletschers Bella Tola im Wallis, nachdem sie Fotos von Wandernden erhalten hatte. Huss mahnt jedoch zur Vorsicht: Aus den Bildern lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, dass der Bella Tola endgültig Geschichte sei, denn unter dem Schutt könnte noch Eis liegen.
Das Inventar des Bundes zählt rund 1400 Gletscher, etwa tausend weniger als vor hundertfünfzig Jahren. Die meisten sind klein, und einige tragen nicht einmal einen Namen.
Zwei Faktoren zusammen
Auch für die grösseren Gletscher ist die Lage kritisch, und der Grund liegt im ungünstigen Zusammentreffen zweier Elemente. Am Ende des Winters lag wenig Schnee, und die Hitze kam bereits zu Beginn des Sommers.
Die Schneedecke ist der wichtigste Schutz eines Gletschers, weil sie die Sonnenstrahlung reflektiert. Fehlt sie, liegt das alte, dunkle Eis frei, nimmt Energie auf und schmilzt rasch.
Das Signal war schon Ende Juni erkennbar. Laut dem Schweizer Gletschermessnetz GLAMOS waren die Winterreserven zu diesem Zeitpunkt weitgehend aufgebraucht. Normalerweise geschieht das nicht vor August, und nur 2022 war es noch früher der Fall.
Das Ausmass der diesjährigen Schmelze lässt sich nicht sicher beziffern, weil die Messungen laufen. Huss geht aber davon aus, dass die Rekordwerte von vor vier Jahren nicht erreicht werden, als die Schweiz rund sechs Prozent ihrer Gletschermasse verlor. Gegenüber 2022 lag etwas mehr Schnee auf den Gletschern, und der Einfluss des Saharastaubs, der die Oberflächen verdunkelt und die Schmelze beschleunigt, war geringer.
Der Verlust der Gletscher ist nicht bloss eine Frage der Landschaft. Von ihrer Schmelze hängt ein Teil der sommerlichen Wasserführung der Fliessgewässer ab. Darauf weist auch das Bundesamt für Umwelt hin, das festhält, dass die Wasserlage südlich der Alpen dieses Jahr gerade dank des Gletscherbeitrags weniger dramatisch ist.
Kommentare
Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.