Welt Wasserkrise
Europas grosse Flüsse auf Tiefstständen, vom Po bis zum Rhein
Der Po erreicht bei Cremona einen historischen Tiefstand, der Rhein in den Niederlanden nie gemessene Werte. An der Donau hat der Wassermangel in Ungarn bereits ein Kernkraftwerk stillgelegt.
Die wichtigsten Flüsse Europas durchlaufen eine aussergewöhnliche Niedrigwasserphase. Der Po erreichte bei Cremona einen historischen Tiefstand, mehr als neun Meter unter dem hydrometrischen Nullpunkt. Der tiefe Pegel begünstigte das Eindringen von Salzwasser ins Delta, mit Folgen für die dortigen Ökosysteme.
Der Rhein verzeichnet kritische Stände. In den Niederlanden handelt es sich um die tiefsten je gemessenen Werte, während in Basel die Schiffbarkeit stark eingeschränkt ist.
An der Donau hat der Wassermangel die Energieproduktion bereits erfasst. In Ungarn wurde ein Kernkraftwerk abgestellt, weil zu wenig Kühlwasser vorhanden war. In Rumänien erforderte die Anlage Cernavoda Notmassnahmen, wobei die Armee einen Felsen sprengte, um den Zufluss zum Reaktor zu erhöhen.
Auch die Schweiz kennt eine ähnliche Lage bereits. Das Kernkraftwerk Beznau hatte den Betrieb wegen tiefer Pegelstände der Aare unterbrochen.
Wer über die Wassernutzung entscheidet
Alessandro Bratti, Mitglied der italienischen Regulierungsbehörde für Energie, hält fest, dass die Verfügbarkeit von Wasser lange als selbstverständlich galt. Deshalb, erklärt er, habe man sich weder um die Qualität noch um die Menge der Ressource rechtzeitig gekümmert.
Bratti erinnert daran, dass der Po in erheblichem Mass von den Gletschern abhängt. Ihr Rückzug hat den Speicher verkleinert, der früher während der warmen Jahreszeit Wasser abgab.
Bei den Regeln nennt er eine klare Richtung. Er hält überregionale und grenzüberschreitende Gremien für nötig, die über die Nutzung der Wasserressourcen entscheiden können. Die Entscheide sollten aus seiner Sicht den Grenzen der Einzugsgebiete folgen und nicht den administrativen.
Hinzu kommt ein Gleichgewicht unter den Nutzern. Die Landwirtschaft beansprucht 65 Prozent des Wassers des Po, bleibt aber weitgehend unreguliert. Der Verbrauch der Haushalte, der weit weniger ins Gewicht fällt, unterliegt dagegen Vorschriften und Einschränkungen.
Dieses Ungleichgewicht zählt, wenn von den Familien Einsparungen verlangt werden. Sparmassnahmen für Haushalte betreffen einen kleinen Teil der Gesamtentnahme, während der grösste Teil der Mengen ausserhalb eines gemeinsamen Regelwerks bleibt.
Für die italienische Schweiz liegt die Frage nicht fern. Die alpinen Einzugsgebiete speisen Gewässer, die mehrere Länder durchqueren, und die flussabwärts getroffenen Entscheide hängen davon ab, wie viel Wasser von oben kommt.
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