Wirtschaft Aufsicht
Finma: Cyberangriffe bei den beaufsichtigten Instituten um einen Drittel gestiegen
Präsidentin Marlene Amstad sieht in hoch entwickelter künstlicher Intelligenz ein Risiko für den gesamten Finanzsektor. Und blickt bereits auf Quantencomputer.
Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht hat den Schweizer Banken- und Versicherungssektor vor den Risiken der Cybersicherheit und der künstlichen Intelligenz gewarnt. "Wir beobachten bei allen von uns beaufsichtigten Finanzinstituten eine deutliche Zunahme der Cyberangriffe um einen Drittel", erklärte Verwaltungsratspräsidentin Marlene Amstad.
Die Zunahme betrifft nicht nur die Häufigkeit. Laut Amstad senkt die Verfügbarkeit fortgeschrittener Sprachmodelle die Kosten für die Vorbereitung eines Angriffs und erhöht dessen Glaubwürdigkeit, besonders bei Techniken, die auf menschliches Fehlverhalten statt auf eine technische Lücke zielen. "Die Bedrohung durch hoch entwickelte KI betrifft die gesamte Branche", sagte sie.
Die Aufsicht verlangt von den Instituten, diese Risiken als vollwertige operationelle Risiken zu behandeln, mit derselben Disziplin wie Kredit- und Marktrisiken. Die Aufmerksamkeit erstreckt sich auf Drittanbieter, denn ein wachsender Teil der IT-Infrastruktur der Banken ist ausgelagert, und ein Angriff auf einen Anbieter überträgt sich auf all dessen Kunden.
Die Finma nutzt dieselben Werkzeuge
Die Behörde baut ihre eigenen KI-Anwendungen aus, die vor allem bei der Auswertung von Aufsichtsdaten zum Einsatz kommen. "Wir müssen schnell genug sein, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten", erklärte Amstad. Es ist das Eingeständnis, dass die Kompetenzlücke zwischen Aufsicht und Beaufsichtigten selbst ein Risiko darstellt.
Amstad nannte auch eine Bedrohung, die sich noch nicht verwirklicht hat: Quantencomputer, die mittelfristig die heute gebräuchlichen Verschlüsselungsverfahren brechen könnten. Für Bankarchive ist das Thema erheblich, denn heute abgefangene und gespeicherte Daten liessen sich in einigen Jahren entschlüsseln.
Der Schweizer Finanzplatz ist aufgrund seiner Grösse und seines Rufs ein Ziel. 2025 hatte der Angriff auf das von der Bundesverwaltung genutzte Dokumentenverwaltungssystem gezeigt, wie schnell eine bekannte Schwachstelle zu einem verbreiteten Vorfall wird. Die Empfehlungen der Finma haben nicht die Form neuer Regeln, sondern von Aufsichtserwartungen, deren Missachtung ein Verfahren auslösen kann.
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