Schweiz Natur
Fischadler brütet nach 112 Jahren erstmals wieder in der Schweiz
Ein Paar hat im Drei-Seen-Land drei Junge zum Ausfliegen gebracht. Das Männchen war eines der von Nos Oiseaux umgesiedelten Küken und flog 2020 in Sugiez aus.
Zum ersten Mal seit 1914 hat ein Fischadlerpaar in der Schweiz wieder erfolgreich gebrütet. Die Eier schlüpften zwischen dem 25. und dem 29. Mai, drei Junge kamen zur Welt. Die Nachricht wurde bis jetzt zurückgehalten, um der Brut Ruhe zu sichern, und nun von Wendy Strahm, Koordinatorin des Wiederansiedlungsprojekts des Vereins Nos Oiseaux, gegenüber Keystone-SDA bekannt gegeben.
Das Nest liegt in der Region der Seen von Neuenburg, Biel und Murten. Der genaue Standort wird nicht veröffentlicht.
Die Art war als Brutvogel vollständig aus der Schweiz verschwunden, verursacht durch Wilderei und Eiersammler. Auf dem Zug liess sie sich weiterhin beobachten, doch sie brütete nicht mehr.
Ein Projekt, das auf einem Instinkt aufbaut
Die Wiederansiedlung stützt sich auf eine Eigenschaft des Greifvogels: Der Fischadler ist brutortstreu. Im Erwachsenenalter, mit rund drei oder vier Jahren, kehrt er zum Brüten in jene Gegend zurück, in der er zum ersten Mal ausgeflogen ist.
Zwischen 2015 und 2020 importierte der Verein 66 Küken aus Nestern, vor allem aus Norwegen und Deutschland. Sie wurden in Volieren bei Sugiez im Kanton Freiburg aufgezogen, ohne direkten Kontakt zum Menschen. Diese Methode der Umsiedlung wird in anderen Teilen Europas seit 1996 angewendet.
Das Männchen des Paares ist genau eines dieser Küken: Es trägt einen nummerierten Ring und hatte Sugiez 2020 verlassen. Das Weibchen ist unberingt, seine Herkunft bleibt unbekannt. Die beiden waren bereits im Sommer 2025 gesichtet worden, als das Weibchen noch nicht geschlechtsreif war. Nach einem getrennt in Afrika verbrachten Winter kehrten sie zurück und liessen sich auf dem im Vorjahr entdeckten Horst nieder, einer der dreissig von Freiwilligen in der Region errichteten Plattformen. Das erste Ei wurde am 19. April gelegt.
Ein Erfolg schon beim ersten Versuch ist aussergewöhnlich, zumal in einem kalten und regnerischen Frühling. «Oft stirbt das dritte Küken», bemerkt Denis Landenbergue aus der Gruppe, welche die Wiederansiedlung betreute. In diesem Fall überlebten zwei Weibchen und ein etwas zarteres Männchen. Heute wiegen sie zwischen 1,4 und 1,8 Kilogramm und haben die Flügelspannweite ausgewachsener Tiere erreicht, zwischen 152 und 167 Zentimetern. Beringt wurden sie am 6. Juli.
Im Paar fischt das Männchen, das Weibchen erledigt alles Übrige: brüten, wachen, die Jungen füttern. «Das Weibchen schützte das Nest während der Hitze auch vor der Sonne, indem es die Flügel wie einen Sonnenschirm ausbreitete», erzählt Strahm.
Die härteste Prüfung kommt jetzt. Bis Ende Monat brechen die Jungvögel nach Afrika auf, und statistisch liegt die Sterblichkeit der Zugvögel auf der ersten Reise bei achtzig Prozent. Wer überlebt, sollte innerhalb von zwei Jahren ins Drei-Seen-Land zurückkehren.
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