Kanton Schule
Schuluniform soll Ungleichheiten verringern, SP lehnt Vorstoss ab
Ein parteiübergreifender Vorstoss im Grossen Rat verlangt vom Tessiner Regierungsrat eine einheitliche Kleidung für Schülerinnen und Schüler der Kindergärten und Primarschulen, um soziale Ungleichheiten zu verringern. Die Sozialdemokratische Partei (SP) hat den Vorstoss nicht mitunterzeichnet und fordert andere Wege, um Ungleichheiten anzugehen.
Ein parteiübergreifender Vorstoss, der letzte Woche im Grossen Rat eingereicht wurde, verlangt vom Tessiner Regierungsrat die Einführung einheitlicher Kleidung für Schülerinnen und Schüler der Kindergärten und Primarschulen. Erstunterzeichnerin ist Michela Ris, Grossrätin der FDP, die erzählt, die Idee sei aus Gesprächen unter Eltern über die tägliche Kleidung ihrer Kinder entstanden. Laut Ris würde eine Uniform, die an die Schule oder die Wohngemeinde erinnert, das Leben der Familien vereinfachen.
Die erklärten Ziele des Vorstosses sind, soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten unter den Schülerinnen und Schülern zu verringern, den Druck der Mode zu überwinden und den Kindern zu vermitteln, dass jeder Kontext eine angemessene Kleidung erfordert.
Die SP lehnt den Vorstoss ab
Die Sozialdemokratische Partei hat den Vorstoss nicht mitunterzeichnet. Grossrätin Tessa Prati bemerkt, eine einheitliche Kleidung könnte die Sichtbarkeit sozialer und wirtschaftlicher Unterschiede zwar verringern, diese aber nicht zum Verschwinden bringen: Dieselben Unterschiede, sagt sie, würden weiterhin in anderen Bereichen des Lebens der Kinder sichtbar. Für Prati sollte die Schule stattdessen weiterhin allen den Zugang zu Ausflügen und Aktivitäten sichern, die sich manche Familien allein nicht leisten könnten. Sie fügt an, das Zugehörigkeitsgefühl dürfe nicht von der Kleidung abhängen, und Aufgabe von Schule und Familien sei es, den Kindern Mittel an die Hand zu geben, damit der Wert einer Person nicht auf die getragene Kleidung reduziert werde.
Auch unter den Eltern gehen die Reaktionen auseinander. Pierfranco Longo, Präsident des kantonalen Elternrats, anerkennt, dass das Thema viele Familien beschäftigt, weist aber auf die Gefahr hin, die Schülerinnen und Schüler zu uniformieren und damit ihren Ausdruck und ihre Selbstbestimmung einzuschränken. Longo empfiehlt, auch die Sekundarschule mitzudenken, wo die Rolle der Eltern bei der Kleiderwahl abnimmt und wo, wie er feststellt, die Kleidung der Jugendlichen nicht immer zu einem schulischen Rahmen passt. Ris selbst räumt ein, eine Ausweitung auf die Sekundarschule hätte wohl mehr Sinn ergeben, hält es aber für nützlich, Kinder schon zu Beginn ihrer Schulzeit an eine Uniform zu gewöhnen.
Longo bringt das Thema auch mit dem Marketingdruck auf Familien in Verbindung: Der Vertrieb von Kinder- und Jugendkleidung sei zunehmend über Franchise-Ketten und Markengeschäfte organisiert, und es falle Eltern schwer, ihre Kinder zu Entscheidungen zu begleiten, die von den Modetrends abweichen.
Offen bleibt die Kostenfrage. Ris schlägt vor, die Kosten tief zu halten, und stellt sich ein Eingreifen der Gemeinden für Familien vor, die sich die Uniform nicht leisten könnten. Longo fordert die Gemeinden auf, sich für eine solche Unterstützung einzusetzen. Der Vorstoss geht nun an die Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rates.
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