Welt Internationaler Schutz
Das Flüchtlingsübereinkommen wird unter Druck 75 Jahre alt
Der 1951 verabschiedete Vertrag bleibt der Referenzpunkt für den internationalen Schutz. Gleichzeitig zwingen Kriege und Verfolgung Millionen Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Das UNHCR prangert zunehmende Hürden beim Asyl an und fordert die Staaten auf, ihre humanitären Verpflichtungen einzuhalten.
Das Flüchtlingsübereinkommen der Vereinten Nationen wird in einer Phase grosser politischer Spannungen beim Thema Asyl 75 Jahre alt. Der Vertrag wurde 1951 nach dem Zweiten Weltkrieg verabschiedet. Damals waren Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Viele europäische Gemeinschaften waren zerstört.
Der Text definiert als Flüchtling eine Person, die begründete Furcht vor Verfolgung hat oder ernsthaften Gefahren für ihr Leben, ihre körperliche Unversehrtheit oder ihre Freiheit ausgesetzt ist. Die ursprüngliche Fassung war jedoch auf Ereignisse vor 1951 und auf den europäischen Kontinent beschränkt. Nach dem Ungarnaufstand von 1956 und den Konflikten im Zusammenhang mit der Entkolonialisierung wurden diese Einschränkungen aufgehoben. 1967 erhielt das Übereinkommen universellen Charakter.
Seitdem hat es Millionen Menschen Schutz gewährt, die vor Kriegen und Verfolgung geflohen sind. Ende 2025 verzeichnete das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge weltweit 41,6 Millionen anerkannte Flüchtlinge. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz zählt zudem rund 130 Konflikte. Nach Angaben des UNHCR sind mehr als 117 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten von ihnen befinden sich innerhalb ihres eigenen Landes.
Der neue Druck
In der öffentlichen Debatte werden Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten oft verwechselt. Wer in einem anderen Land Arbeit sucht, gilt nicht automatisch als Flüchtling. Diese Person kann jedoch einen Antrag auf Schutz stellen. Das UNHCR fordert sichere und legale Wege für beide Gruppen.
Mehrere Staaten schränken den Zugang zum Asyl hingegen ein. In Europa wird auch über die Verlagerung von Verfahren in Drittstaaten diskutiert. Die Schweiz beherbergt rund 200’000 Flüchtlinge und Asylsuchende. Wie andere europäische Staaten prüft sie entsprechende Modelle.
Die sogenannten Rückführungszentren sollen Personen aufnehmen, deren Antrag abgelehnt wurde. Sie warten dort auf die Rückkehr in ihr Herkunftsland. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe warnt vor dem Risiko von Verletzungen der Grundrechte. Das UNHCR hält solche Einrichtungen nur dann für zulässig, wenn die Anträge korrekt geprüft werden und die Menschenrechte gewährleistet sind.
Der internationale Schutz steht auch finanziell unter Druck. Für 2026 verfügt das UNHCR über 8,5 Milliarden Dollar. Das sind rund 2,1 Milliarden weniger als im Vorjahr. Die Aktivitäten wurden reduziert. Tausende Arbeitsplätze wurden gestrichen. Die Vereinigten Staaten waren bisher der wichtigste Geldgeber der Organisation. Sie haben einen grossen Teil der Aufnahme von Flüchtlingen ausgesetzt. Auch ein möglicher Austritt aus dem UNHCR wird diskutiert.
Der Klimawandel bringt zusätzliche Komplexität. Dürren, Hungersnöte und Naturkatastrophen begründen heute allein kein Recht auf Asyl. Extreme Wetterereignisse haben im vergangenen Jahrzehnt jedoch rund 250 Millionen Binnenvertreibungen verursacht. Das UNHCR fordert die Staaten auf, die betroffenen Bevölkerungen zu unterstützen. Das Übereinkommen solle nicht in einer politischen Phase geändert werden, in der sein Schutz geschwächt werden könnte.
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