Kanton Wasser
Das Tessin öffnet die Schleusen des Ceresio Richtung Italien
Der Abfluss bei Ponte Tresa steigt für zehn Tage von 3 auf 8 Kubikmeter pro Sekunde. Der Pegel des Luganersees dürfte um rund zehn Zentimeter sinken.
Aus dem Ceresio wird mehr Wasser nach Italien fliessen. Der bilaterale italienisch-schweizerische Ausschuss trat am 10. August dringlich zusammen und beschloss, den Abfluss am Wehr von Ponte Tresa zu erhöhen: von 3 auf 8 Kubikmeter pro Sekunde. Die Massnahme gilt ab dem 11. August für zehn Tage und wird danach anhand der hydrologischen Bedingungen neu beurteilt.
Die Wirkung auf den Luganersee wird auf rund zehn Zentimeter weniger Pegel geschätzt. Absolut betrachtet ist das eine geringe Absenkung, sie kommt aber zu einem Sommer hinzu, der bereits von wenig Niederschlag geprägt ist.
Das Begehren kommt von italienischer Seite. Die Wasserknappheit betrifft das Einzugsgebiet des Lago Maggiore und flussabwärts die Reisanbaugebiete im Novarese, in der Lomellina und im Mailänder Umland. Dort hängt der Reisanbau von der Flutung der Felder ab, ein Verfahren, das gerade in den Wochen konstante Abflüsse in den Kanälen verlangt, in denen die Flüsse am tiefsten stehen. Fünf zusätzliche Kubikmeter pro Sekunde lösen die Lage nicht, mindern aber den Druck für einige Tage.
Die Grenze bei den Alpenspeichern
Die Schweizer Delegation lehnte allerdings den gewichtigeren Teil des italienischen Begehrens ab: zusätzliche Abgaben aus den Stauseen der Wasserkraft. Die Begründung ist doppelt: die anhaltende Trockenheit und die Sicherheit der Energieversorgung.
Nach den Angaben liegen die Wasserreserven in den Tessiner Kraftwerksbecken am unteren Rand der in den letzten zehn Jahren gemessenen Werte. Diese Zahl betrifft eher den kommenden Winter als den laufenden Sommer. Das in der Höhe gespeicherte Wasser ist jene Form der Energiespeicherung, auf die die Schweiz in den kalten Monaten zählt, wenn die Photovoltaikproduktion sinkt und der Verbrauch steigt. Es im August für landwirtschaftliche Bedürfnisse flussabwärts abzulassen, hiesse, ein Problem um einige Monate zu verschieben.
Die Unterscheidung zwischen den beiden Arten von Abgaben ist deshalb wesentlich. Die Erhöhung bei Ponte Tresa betrifft einen regulierten natürlichen See und hat Wirkungen, die sich mit wenigen Regenwochen wieder ausgleichen. Ein Bezug aus den Alpenspeichern beträfe eine Reserve, die sich erst mit der Schneeschmelze des Folgejahres neu bildet.
Der bilaterale Mechanismus, der diese Abflüsse regelt, besteht seit Jahrzehnten und funktioniert in normalen Sommern, ohne Schlagzeilen zu machen. Dringliche Einberufungen häufen sich dagegen, wenn die Verfügbarkeit unter die üblichen Schwellen fällt, wie es auch in den Sommern 2022 und 2023 der Fall war.
Offen bleibt, was nach Ablauf der zehn Tage geschieht. Bleiben die Niederschläge aus, wird dasselbe Begehren mit engerem Spielraum erneut gestellt, und die Frage, wie viel Wasser das Tessin abgeben kann, ohne seine eigenen Reserven anzugreifen, kommt zurück auf den Tisch.
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