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Wirtschaft Geldpolitik

Die erste Zinserhöhung der SNB verschiebt sich auf 2027 oder 2028

Die von Bloomberg befragten Ökonominnen und Ökonomen haben ihre Prognosen nach hinten verschoben. Der Leitzins bleibt bei null, und die Nationalbank sieht vor Ende 2027 keinen Spielraum.

von Gottardo 11. August 2026 3 Min. Lesezeit

Die erste Zinserhöhung in der Schweiz ist erneut verschoben worden. Nach einer von Bloomberg unter Ökonominnen und Ökonomen durchgeführten und von Cash aufgegriffenen Umfrage haben sich die Erwartungen gegenüber wenigen Monaten zuvor deutlich nach hinten verlagert.

Bis vor Kurzem setzte ein Teil der Beobachtenden die erste Erhöhung noch im Lauf des Jahres 2026 an. Heute nennt die optimistischste Prognose Juni 2027, während die Mehrheit der Befragten Anfang 2028 erwartet. Laut Bloomberg rechnet die Schweizerische Nationalbank intern damit, den Leitzins bis Ende 2027 bei 0,0 Prozent zu belassen, mit möglichen Erhöhungen erst danach.

Der Weg bis hierher verlief rasch. Seit 2024 hat die SNB unter der Präsidentschaft von Martin Schlegel sechs Senkungen in Folge vorgenommen und den Leitzins von 1,75 Prozent auf 0,0 Prozent geführt. Die letzte Senkung datiert vom 19. Juni 2025. Seither hat die Notenbank die Zinsen in vier aufeinanderfolgenden Quartalsbeurteilungen unverändert gelassen.

Was ein dauerhafter Nullzins bedeutet

Maxime Botteron von der UBS hält eine Erhöhung bereits bis Juni 2027 für möglich, gestützt auf Impulse aus der Eurozone. Die Begründung für das Zuwarten ist die gewohnte: Bei einer Teuerung unter einem Prozent und einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts unter dem Potenzial erscheint eine leicht expansive Geldpolitik angemessen.

Kurzfristig ist das Argument tragfähig, doch ein über Jahre bei null liegender Leitzins hat Wirkungen, die in den Teuerungsstatistiken nicht auftauchen. Das klassische Sparen wirft nichts ab, was besonders die Pensionskassen und jene belastet, die von Erträgen leben. Billiger Kredit befeuert zudem tendenziell die Immobilienpreise, ein Thema, das in der Schweiz bereits im Blick der Aufsichtsbehörden steht.

Hinzu kommt die Frage des Handlungsspielraums. Eine Notenbank, die mit einem bereits bei null liegenden Zins in eine Abschwächung gerät, verfügt über begrenzte Mittel und muss auf weniger konventionelle Eingriffe beim Wechselkurs oder in der Bilanz zurückgreifen. Deshalb wird die Aussicht auf eine Erhöhung, für Schuldnerinnen und Schuldner an sich eine unerfreuliche Nachricht, auch als Zeichen der Normalisierung gelesen.

Der nächste Anhaltspunkt kommt am Freitag mit den Wachstumszahlen für das zweite Quartal 2026: Die meisten Analystinnen und Analysten erwarten ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber 0,4 Prozent im ersten Quartal. Der nächste Entscheid der SNB ist auf den 24. September angesetzt.

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