Wirtschaft Bankensektor
UBS prüft Wegzug aus der Schweiz, Experten bleiben aber skeptisch
Laut dem Wall Street Journal soll UBS drei Szenarien prüfen, um ihren Hauptsitz aus der Schweiz zu verlegen – wegen der Verschärfung der Kapitalvorschriften. Die befragten Experten halten einen tatsächlichen Wegzug jedoch für unwahrscheinlich.

Das Wall Street Journal berichtete am Mittwoch, dass UBS alternative Pläne prüfe, um ihren Hauptsitz aus der Schweiz zu verlegen. Die Meldung, die sich auf Personen mit Kenntnis der Angelegenheit stützt, steht im Zusammenhang mit der möglichen Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften.
Drei Szenarien stünden zur Diskussion: die Übernahme eines US-amerikanischen Finanzinstituts mit anschliessender Verlegung des Hauptsitzes in die USA, ein Zusammenschluss mit einem europäischen Konkurrenten oder die Übernahme von UBS durch eine amerikanische Bank.
Im Zentrum der Spannungen steht die nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse 2023 überarbeitete Regulierung. Der Ständerat hat sich bereits dafür ausgesprochen, dass die Schweizer Muttergesellschaft Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegen muss, anstatt der aktuellen Mindestquote von 60%. Die Massnahme soll die Fähigkeit der Banken stärken, Verluste ohne staatliche Eingriffe aufzufangen. Für UBS würde dies einen zusätzlichen Kapitalbedarf von schätzungsweise rund 20 Milliarden Dollar bedeuten.
UBS hält eine vollständige Unterlegung für unverhältnismässig und schädlich für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Auch der amerikanische Investor Artisan Partners kritisierte die neuen Vorschriften als «punitive» und forderte einen Wegzug der Bank aus der Schweiz; nach seinen Schätzungen würde sich der zusätzliche Kapitalbedarf auf rund 16 Milliarden Dollar belaufen.
Unterschiedliche Positionen in der Führung
Konzernchef Sergio Ermotti erklärte kürzlich gegenüber CNBC, der Verbleib des Hauptsitzes in der Schweiz liege sowohl im Interesse der Volkswirtschaft als auch der Aktionäre. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher warnte hingegen, die Bank könnte ihre Präsenz im Land überdenken, falls sich die neuen Regeln als zu streng erweisen sollten, bekräftigte aber das Ziel, einen Kompromiss zu finden.
Die Debatte betrifft auch die Rolle der AT1-Anleihen, die nur unter bestimmten Bedingungen abgeschrieben oder gewandelt werden können, im Unterschied zum CET1-Kapital, das sofort verfügbar ist. Bei der Rettung der Credit Suisse wurden AT1-Anleihen in Höhe von rund 16 Milliarden Franken vollständig abgeschrieben, was rechtliche Auseinandersetzungen über die Modalitäten und den Zeitpunkt der Abschreibung auslöste.
Die vom Wall Street Journal befragten Experten halten einen tatsächlichen Wegzug dennoch für unwahrscheinlich. Bankenexperte Simon Amrein verweist auf die Vorteile des Schweizer Finanzplatzes: politische und wirtschaftliche Stabilität, eine stabile Währung und verfügbares Fachpersonal. Ein Umzug würde zudem Risiken für Reputation und Kundenbeziehungen mit sich bringen.
Für den Bankrechtsexperten Peter V. Kunz bewahrt die Marke «Swiss Banking» weiterhin eine starke Anziehungskraft für vermögende internationale Kundschaft, insbesondere aus Asien und Südamerika. Seiner Ansicht nach wäre die Wegzugshypothese vor allem ein Mittel politischen Drucks. UBS hat die Gerüchte bisher nicht kommentiert.
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