Welt Rohstoffe
Uran im Veltlin: neue Bohranträge, wachsende Sorgen vor Ort
Ein britisches Unternehmen hat beantragt, die Erkundung eines Uranvorkommens in den Orobie-Alpen zu vertiefen, unweit der Grenze zur Schweiz. Bürgermeister und Fachleute warnen vor Risiken für Gesundheit, Gewässer und die lokale Tierwelt.
In den Orobie-Alpen, im Val Vedello, liegt oberhalb von 2'000 Metern eines der bedeutendsten Uranoxid-Vorkommen Italiens. Zwischen 1975 und 1983 führte der Konzern Agip dort eine Erkundungskampagne durch, die eine Menge von rund 6'000 Tonnen schätzte, weniger als die Hälfte des jährlichen Bedarfs Europas. Die Untersuchung wurde damals nicht abgeschlossen.
Heute hat das britische Unternehmen Reveille Resources beantragt, die Untersuchungen wieder aufzunehmen. Die Region Lombardei hat das Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet. Der Plan sieht 150 Bohrungen innerhalb von drei Jahren in den bestehenden, elf Kilometer langen Stollen vor. Mittlerweile liegen drei Gesuche für Erkundungen in den Orobie-Alpen vor.
Zweifel an Strassen und Umwelt
Die Gemeinde Piateda beauftragte Fachleute der Universität und der Polytechnischen Hochschule Turin mit der Prüfung des Projekts. Zu den genannten Problemen gehört die Instandsetzung der alten Bergstrasse, heute nur noch ein Pfad, die den Verkehr der Fahrzeuge zur Fundstelle tragen müsste. Dozent Daniele Martinelli weist auf geologische Schwachstellen auf den letzten 3,8 Kilometern der Strecke hin und verlangt vom Antragsteller genauere Angaben.
Ein weiteres Thema ist der Schutz der Umwelt. Dozent Vincenzo Andrea Riggio erinnert daran, dass die Stollen seit rund 40 Jahren mehreren Fledermausfamilien und anderer bemerkenswerter Tierwelt als Lebensraum dienen.
Der Bürgermeister von Piateda, Simone Luca Marchesini, hat beim Ministerium Einwände eingereicht und mehr Sicherheitsgarantien für eine allfällige Erkundungstätigkeit gefordert.
Die grössten Sorgen betreffen jedoch die Gesundheit. Die frühere Bürgermeisterin von Piateda, Martina Simonini, verweist auf eine um 1,40 erhöhte Häufigkeit von Nierentumoren, ohne dass ein Kausalzusammenhang nachgewiesen sei; deshalb fordert sie eine epidemiologische Studie. Der Bürgermeister von Faedo Valtellino, Giordano Caprari, befürchtet dagegen, die Arbeiten könnten das Wasser verschmutzen, das die Region versorgt.
Der Abbau ist noch nicht genehmigt: Vorerst geht es nur um weitere Untersuchungen. Doch das Thema steht in einem politischen Kontext, den die Regierung Meloni neu belebt hat und der ausländisches Kapital anzieht. An der Spitze des nicht geschäftsführenden Verwaltungsrats von Reveille Resources steht Mike Pompeo, ehemaliger Direktor der CIA – ein Zeichen für das internationale Interesse an diesem Rohstoff.
Offen bleibt die Frage, wer letztlich über das Schicksal dieser Berge entscheidet: die Gemeinden, die neben dem Vorkommen leben und dessen Risiken kennen, oder ferne Investoren, die vom strategischen Wert des Urans angezogen werden.
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