Schweiz Cybersicherheit
Phishing: Was nach einer Meldung beim BACS passiert
Jedes Jahr erhält das Bundesamt für Cybersicherheit rund eine Million Phishing-Meldungen. Ein System der künstlichen Intelligenz wertet sie zunächst aus, doch die Täterschaft zu identifizieren bleibt die grösste Herausforderung.
Jährlich erhält das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) über die Website antiphishing.ch rund eine Million Meldungen zu Phishing-Versuchen. Angesichts dieser Menge analysiert zunächst ein System der künstlichen Intelligenz die Meldungen. Verdächtige Fälle werden gefiltert und an eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter weitergeleitet, die oder der abschliessend beurteilt, ob es sich tatsächlich um Phishing handelt. Das erklärt Roman Hüssy, Co-Leiter von GovCERT, der zuständigen Fachstelle des BACS.
Das BACS führt jedoch keine eigenen Ermittlungen durch: Die Identifizierung der Täterschaft ist Sache der Strafverfolgungsbehörden. Stösst das Amt bei seiner Arbeit auf Hinweise, die zur Ermittlung der Verantwortlichen oder zur Identifizierung möglicher Opfer beitragen können, leitet es diese an die zuständigen Stellen weiter.
Wird eine Phishing-Website entdeckt, meldet das BACS sie den Internetanbietern im In- und Ausland, damit diese gesperrt werden kann. Zudem informiert das Amt Unternehmen, deren Name von Betrügern missbraucht wird, damit diese ihre Kundschaft warnen können. Das Bundesamt hat allerdings keine Befugnis, solche Massnahmen durchzusetzen. Daneben betreibt das BACS Präventions- und Sensibilisierungsarbeit und informiert Bevölkerung und Unternehmen über aktuelle Bedrohungen.
Ein Kampf gegen kurzlebige Websites
Die Frage nach der Wirksamkeit dieser Massnahmen sei berechtigt, räumt Hüssy ein. Das Problem sei, dass Phishing-Websites oft nur von kurzer Dauer seien: Wird eine gesperrt, taucht rasch eine neue auf. Die grösste Schwierigkeit bleibt die Identifizierung der Täterschaft, die häufig vom Ausland aus operiert. Ihre Ermittlung erfordert von den Strafverfolgungsbehörden erhebliche Ressourcen, und die internationale Zusammenarbeit gestaltet sich mit gewissen Ländern schwierig.
Für das BACS bleibt es dennoch wichtig, Phishing-Websites möglichst rasch zu identifizieren: Jede gesperrte Website bedeute weniger potenzielle Opfer, betont Hüssy. Die Sperrung einer einzelnen Seite löse das Problem zwar nicht an der Wurzel, doch die Meldungen würden helfen, den Schaden zu begrenzen und mehr Nutzerinnen und Nutzer zu schützen.
Wer auf Phishing hereingefallen ist, sollte Anzeige erstatten und betroffene Bankkonten, Kreditkarten oder andere Dienste so schnell wie möglich sperren lassen. Verdächtige Websites oder Nachrichten können zudem bei spezialisierten Plattformen wie cybercrimepolice.ch gemeldet werden, da das BACS selbst keine Strafuntersuchungen durchführen kann.
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