Welt Technologie und Religion
Peter Thiel in Rom: Seminare hinter verschlossenen Türen über den Antichristen
Mitte März versammelte der Mitgründer von PayPal und Palantir im Palazzo Taverna ein ausgewähltes Publikum zu vier Tagen von Begegnungen über den Antichristen und die Krise der Demokratie. Die Initiative löste politische Kritik und Verärgerung im Vatikan aus.
Peter Thiel, Mitgründer von PayPal und Palantir Technologies, hielt Mitte März in Rom eine Reihe vertraulicher Seminare. Die Treffen fanden im Palazzo Taverna statt und dauerten vier Tage, von Sonntag bis Mittwoch. Thema waren die Figur des Antichristen und die These, wonach Demokratie und Freiheit in der heutigen Zeit nicht mehr vereinbar seien. Dies berichtete Euronews.
Das Publikum war klein und ausgewählt. Dazu gehörten junge Ultrakonservative, Unternehmer und Journalisten, darunter der Chefredaktor der Zeitung Il Tempo, Daniele Capezzone, und der Gründer von Chora Media, Guido Maria Brera. Die Teilnehmenden durften die Vorträge weder aufzeichnen noch mitschreiben.
Organisiert wurden die Treffen vom Kulturverein Vincenzo Gioberti. Für den Verein ist das Thema des Antichristen nicht «un vezzo tardomedievale» (eine spätmittelalterliche Marotte), sondern «il riconoscimento che nel nostro presente operano incessantemente delle forze, più o meno occulte, impegnate a distruggere ciò che resta dell'Occidente» (die Anerkennung, dass in unserer Gegenwart unablässig mehr oder weniger verborgene Kräfte am Werk sind, die zerstören wollen, was vom Westen übrig ist).
Thiel gehörte zu den ersten Investoren von Facebook und ist eine einflussreiche Figur des Silicon Valley. Seit Jahren interessiert er sich für Philosophie und Theologie, insbesondere für das Denken von René Girard. Laut RSI trug er dazu bei, den amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance an diese Themen heranzuführen; Vance konvertierte 2019 zum Katholizismus.
Die Kontroversen
Der Veranstaltungsort blieb bis zuletzt unklar. Das Angelicum, die Päpstliche Universität Heiliger Thomas von Aquin, dementierte öffentlich, die Vortragsreihe organisiert zu haben. Rektor Thomas Joseph White bestritt jede Beteiligung der Universität.
Auch der Vatikan betrachtete die Initiative mit Unbehagen, wie aus mehreren Artikeln von Avvenire, der Zeitung der italienischen Bischöfe, hervorging. Am Sonntag erschien Thiel nicht zu einer lateinischen Messe in der Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini.
Auf politischer Ebene verlangten Vertreter der italienischen Opposition Klarheit über die Beziehungen zwischen Palantir und dem Verteidigungsministerium. Elisabetta Piccolotti (Alleanza Verdi e Sinistra) und Andrea Casu (Partito Democratico) äusserten Bedenken wegen des Einsatzes der Software Gotham. Die Zeitung Domani enthüllte einen geheim gehaltenen Vertrag über eine Million Euro zwischen dem Unternehmen und dem Ministerium, verbunden mit Zweifeln zum Zugang zu sensiblen Datenbanken.
Die Aktivistengruppe No Kings organisierte Proteste gegen Thiels Anwesenheit in der Stadt und bezeichnete ihn als «tecnoligarca» (Techno-Oligarchen). Es gab auch zustimmende Stimmen: Davide Quadri von der Lega Giovani verteidigte den intellektuellen Wert der Initiative.
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