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Wirtschaft Zinssätze

Warum die Zinsen in der Schweiz tief bleiben

Die Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins seit über einem Jahr bei 0,0%, während die USA, die Eurozone und Grossbritannien ihre Zinsen weiter anheben. Die Schuldenbremse und die tiefe Inflation der Schweiz erklären den Unterschied.

von Gottardo 15. September 2026 3 Min. Lesezeit

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält den Leitzins seit über einem Jahr bei 0,0%. Das Niveau gehört weiterhin zu den tiefsten weltweit. Wer sich verschuldet, kommt günstig an Geld. Wer spart, erhält auf Bankeinlagen kaum oder gar keine Zinsen. Die SNB wird sich am 24. September erneut zur Lage äussern.

Der internationale Vergleich

International zeigt sich ein gegenteiliges Bild. In den USA liegt der Leitzins zwischen 3,5 und 3,75%, und Fachleute erwarten diese Woche eine Zinserhöhung der Federal Reserve, die erste seit 2023, gefolgt von mindestens einer weiteren in naher Zukunft. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh hat den Kampf gegen die Inflation als Priorität bezeichnet, was auf eine baldige Zinskorrektur hindeutet, obwohl die Midterm-Wahlen bevorstehen.

Die Europäische Zentralbank hat ihren Zins am vergangenen Donnerstag von 2,25 auf 2,5% angehoben. Die Bank of England, die bei 3,75% verharrt, muss ihre Politik diese Woche überprüfen: Bei einer Inflation von 2,9%, fast einen Punkt über dem Ziel, bleibt der Druck für eine Erhöhung hoch. 2,9% ist auch die durchschnittliche Inflation im Euroraum, während sie in den USA bei 3,4% liegt. Nur Japan liegt mit einem Zins von 1% in der Nähe der Schweiz, wobei die japanische Zentralbank diesen bis Ende der Woche dennoch um einen Prozentpunkt anheben dürfte.

Die Schweiz vereint tiefe Zinsen, eine geringe Staatsverschuldung und eine tiefe Inflation, eine seltene Kombination unter den Industrieländern. Caroline Hilb, Leiterin Anlagen und Vorsorge bei Raiffeisen, führt die tiefen Zinsen auf die moderate Teuerung und den starken Franken zurück und nennt einen institutionellen Faktor: «Die Schweiz hat eine sehr strenge Schuldendisziplin, auf die sie auch stolz ist.» Die Schuldenbremse gilt dabei als Schlüsselelement. Daniel Kalt, Chefökonom der UBS, unterstreicht ihre Funktion: «Das hilft, die Verschuldung zu begrenzen und zu verhindern, dass der Staat das Geld der Steuerzahler übermässig ausgibt.»

Bei den Hypotheken hat sich jedoch etwas bewegt. Laut Comparis kosten zehnjährige Hypotheken im Schnitt 1,9%. Hilb erklärt, dass diese Zinsen internationalen Trends folgen: «Wenn die Zinsen in den USA steigen, steigen sie auch in der Schweiz.» Der Anstieg falle aber «deutlich moderater» aus als in anderen europäischen Ländern oder in den USA.

Für September sehen weder Kalt noch Hilb Spielraum für eine Erhöhung des Leitzinses. Die Schweizer Inflation lag im August bei 0,8% im Jahresvergleich, für Kalt ist sie damit «noch zu tief», um eine Straffung zu rechtfertigen. Hilb stimmt zu: «Derzeit reicht der Inflationsdruck noch nicht aus, und der Franken ist zu stabil, als dass eine Zinsstraffung nötig wäre.» Offen bleibt, wie lange die Schweiz diese Haushaltsdisziplin aufrechterhalten kann, sollte sich der internationale Zinsdruck auch bei den Hypotheken stärker bemerkbar machen.

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