Welt Ukraine
Kiew schlägt Moskau eine Waffenruhe bei den Angriffen im Schwarzen Meer vor
Ziel ist der Schutz der Routen für den Getreideexport beider Länder. Der Vorschlag soll über einen Vermittler übermittelt worden sein und ist bislang unbeantwortet.
Die Ukraine hat Russland einen Vorschlag für eine Waffenruhe bei den gegenseitigen Angriffen auf zivile Ziele im Schwarzen Meer übermittelt. Die von der Agentur Reuters gemeldete Initiative zielt darauf ab, die Routen für den Getreideexport beider Länder zu erhalten. Der Vorschlag soll über einen nicht näher bezeichneten Vermittler überbracht worden sein, eine Antwort hat Kiew bislang nicht erhalten.
Der Zusammenhang erklärt den Schritt. In den vergangenen Wochen haben Moskau und Kiew ihre Angriffe auf die jeweiligen Logistikzentren konzentriert, mit dem Ziel, die Exporte des Gegners mitten in der Erntesaison zu treffen.
Der Krieg gegen die Häfen
In der Nacht auf Donnerstag setzte die russische Armee Drohnen gegen die Häfen von Reni und Ismajil am linken Donauufer ein. Laut dem russischen Verteidigungsministerium seien die Anlagen zur Lagerung von Militärmaterial und als vorübergehender Stützpunkt der ukrainischen Streitkräfte genutzt worden. Mit derselben Begründung traf Moskau anschliessend den Hafen von Odessa und jenen von Otschakiw in der Region Mykolajiw.
Für den Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Juri Ihnat, zielt Russland dagegen auf die Hafeninfrastruktur und die Logistiksysteme, um Druck auf die Wirtschaft des Landes auszuüben. Diese Häfen nahe der rumänischen Grenze bilden den Umschlagplatz für den Export von Getreide und Rohstoffen aus der Region Odessa.
Die Offensive gegen die ukrainischen Häfen folgte einen Tag, nachdem die Ukraine den russischen Hafen Noworossijsk getroffen hatte, einen wichtigen Knotenpunkt für den Rohstoffexport über das Schwarze Meer, und nach Vorwürfen des russischen Aussenministeriums, Kiew löse mit Angriffen auf Frachter mit russischen Erzeugnissen eine globale Nahrungsmittelkrise aus.
Wolodymyr Selenskyj hält dagegen, die Russen zielten auf das Leben gewöhnlicher Menschen, um Terror zu verbreiten. Er erinnerte an die Drohne, die in der Region Odessa einen Zug mit 340 Fahrgästen traf und den Lokführer sowie dessen Assistenten tötete. In einem CNN-Interview forderte der ukrainische Präsident erneut Unterstützung für die Luftverteidigung, auch gegen ballistische Raketen.
Auch Russland zählt eigene Verluste. In Sewastopol auf der Krim wurde ein russischer Militärangehöriger bei einem Sprengstoffanschlag getötet, der laut dem Föderalen Sicherheitsdienst von einer russischen Staatsbürgerin im Auftrag des ukrainischen Nachrichtendienstes verübt worden sein soll. Ebenfalls in Sewastopol starben vier Sprengstoffspezialisten und eine Wachperson bei der Räumung eines getroffenen Geländes durch die Detonation eines Blindgängers.
Die Schäden reichen bis 1500 Kilometer von der Grenze entfernt. In der Republik Baschkortostan trafen ukrainische Drohnen ein Lager des Online-Händlers Wildberries in Tschischmy. Ukrainischen Medien zufolge, die sich auf den Telegram-Kanal Astra berufen, wurde zudem die Raffinerie Gazprom Neftechim Salawat 130 Kilometer südlich von Ufa bombardiert, mit einer Kapazität von rund 7 Millionen Tonnen Erdöl, was 2,7 Prozent der nationalen Gesamtmenge entspricht.
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