Welt Cybersicherheit
Expertin Keren Elazari: Mit KI muss jeder wie ein Hacker denken
Die israelische Sicherheitsexpertin Keren Elazari erklärt, wie künstliche Intelligenz Cyberangriffe erleichtert hat und warum der Schutz der Privatsphäre heute Aufgabe von jedem Einzelnen ist.
Keren Elazari, israelische Forscherin, die seit über zwanzig Jahren auf Cybersicherheit spezialisiert ist und online als k3r3n3 bekannt ist, wurde 2014 mit einem TED-Vortrag einem breiten Publikum bekannt. Darin verglich sie Hacker mit dem Immunsystem des Internets: Wer die Schwachstellen eines Systems findet, ermöglicht es, sie zu beheben. Im Interview, das sie RSI vor einem ATED-Anlass gab, erklärte Elazari, warum diese Denkweise heute nicht mehr nur Fachleuten vorbehalten sein sollte.
Der Grund dafür sei laut der Forscherin die künstliche Intelligenz. Cyberkriminelle hätten sie als Erste übernommen, bereits vor drei Jahren, um Angriffe durchzuführen, während Regierungen und Unternehmen sie erst seit kurzem zur Verteidigung einsetzten. Elazari weist zudem darauf hin, dass auch weniger erfahrene Cyberkriminelle heute Zugang zu leistungsfähigen Werkzeugen hätten, etwa zu in China entwickelten Open-Source-Modellen. Dies senke die Eintrittsschwelle für Cyberangriffe und verschaffe den Angreifern einen Vorteil.
Wie man das eigene Heimnetzwerk schützt
Laut Elazari funktioniere 2026 jeder Haushalt wie ein kleines Rechenzentrum: Telefone, Computer, Fernseher, intelligente Klimaanlagen und mitunter sogar der Kühlschrank seien mit demselben Heimnetzwerk verbunden. In den meisten Familien gebe es inzwischen mehr vernetzte Geräte als Haustiere oder Personen im Haushalt.
Mehr Geräte bedeuten auch mehr Zugangspunkte für Angreifer. Elazari schlägt drei Schritte vor: eine schriftliche Liste aller verbundenen Geräte erstellen, eine künstliche Intelligenz wie ChatGPT oder Google AI nutzen, um sich die Funktionsweise des eigenen Heimnetzwerks erklären zu lassen, und überprüfen, ob der Router noch die werkseitig voreingestellten Benutzernamen und Passwörter verwendet – denn in diesem Fall könnte sich jeder damit verbinden.
Elazari verbindet diese Ratschläge mit der Frage der Privatsphäre, die sie als «ein Privileg und kein Recht mehr» bezeichnet. Sie erzählt, dass sie ihr eigenes Heimnetzwerk analysiert und dabei entdeckt habe, dass selbst beim Besuch gewöhnlicher Websites wie eBay, Google oder ihrer eigenen Bank Trackingdaten an TikTok gesendet würden – eine Anwendung, die sie nie installiert habe. Ihrer Ansicht nach gebe es Vermittlerunternehmen, die Daten über die tägliche Internetnutzung sammelten, um sie anschliessend an andere Unternehmen weiterzuverkaufen.
Elazari ruft dazu auf, sich zu überlegen, was man der unkontrollierten digitalen Verbreitung der eigenen Daten überlassen wolle. Sie fragt, ob Informationen, die heute harmlos erscheinen, dies auch in Zukunft noch tun würden – oder für die eigenen Kinder in fünfzehn oder fünfundzwanzig Jahren. Online gesammelte Informationen blieben, wie sie in Erinnerung ruft, unbegrenzt verfügbar und könnten zusammengeführt und vermarktet werden.
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